Was der japanische Yen mit schwachen DAX-Kursen zu tun hat

© ChaotiC_PhotographY / Fotolia.com

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“Wirtschaft-vertraulich”:

Liebe Leser,

wenn Sie als Anleger auf steigende Kurse setzen, müssen Sie wohl in dieser Woche starke Nerven haben. Denn der Start in die neue Börsenwoche ist – zumindest vorerst – gründlich misslungen. Wobei nicht negative Konjunkturdaten oder überraschende Kommentare, z. B. aus den Reihen der Notenbanken, für Verkaufsdruck an den Märkten sorgen, sondern der Devisenmarkt.

Denken Sie daran: Auch wenn der Fokus der Börsen-Berichterstattung meist auf dem Aktienmarkt liegt, so ist dieser Markt bei weitem weltweit nicht das größte Marktsegment. Der Anleihen- und vor allem der Devisenmarkt sind weitaus größer. Allein auf letzterem werden täglich rund 5 Billionen Dollar hin und her bewegt.

 

Devisenmarkt als Finanzierungsquelle der Groß-Investoren

So haben hier mitunter kleinste Veränderungen starken Einfluss auch auf den Aktienmarkt. Besonders deutlich wird dies bei der Frage, wie Schwankungen in den Wechselkursen auf die Aktivitäten der großen institutionellen Anleger wirken. Denn die wenigsten Großanleger spekulieren mit dem Geld aus der „Firmenschatulle“, sondern borgen sich das nötige Geld.

Dabei liegt der eigentliche Gewinn in der Ausnutzung von Rendite- und Wechselkursunterschieden. Am deutlichsten wird das beim japanischen Yen, der seit langer Zeit im Mittelpunkt von solchen Spekulationen steht, die man in Fachkreisen auch Carry Trades nennt.

 

Carry Trades: Spekulieren auf Zins-Differenzen

In der Praxis spielt sich das so ab: Ein Investor nimmt einen Kredit in Yen auf. Dafür muss er im Vergleich zu anderen Fremdwährungskrediten, bspw. im Euro oder Dollar, deutlich weniger Zinsen zahlen. Das aufgenommene Geld wechselt er (Carry Trade) in andere Anlagewährungen und positioniert diese dann eben in jenen Euro- oder Dollar-Märkten, wo es mehr Rendite gibt. Die Zins-Differenz ist dann sein Gewinn.

Das Problem dabei: Gibt es größere Wechselkursschwankungen, kann die ursprüngliche Rechnung unter Umständen nicht mehr aufgehen. Denn wird der Yen im Vergleich zu anderen Währungen teurer, also wertet er auf, müssen Investoren bei Fällig werden des Kredites mehr zurückzahlen.

 

Schwacher Wochenausblick

Wenn nun die Gefahr droht, dass der Yen weiter aufwertet, werden weniger Kredite aufgenommen, in der Folge auch weniger frisches Geld in den anderen Märkten investiert. Die Nachfrage nach Aktien oder Anleihen fällt, die Märkte werden nach unten gedrückt. So der Rahmen, der aktuell wieder einmal seine praktische Richtigkeit zeigt, nachdem der Yen zum Dollar nach einer kurzen Phase der Abwertung nun anscheinend seinen bisherigen Aufwertungstrend wieder aufnehmen könnte.

Das bringt die Märkte zum Wochenauftakt unter Druck. Ob sie das im weiteren Verlauf der Woche wieder aufholen können, wird abzuwarten sein. Schließlich gibt es in dieser Woche noch einige gewichtige Konjunkturindikatoren wie z. B. die zweite Schätzung des BIP-Wachstums in den USA, die dazu anhalten könnten, dass die Anleger erst einmal Zurückhaltung üben. Dem sollten Sie sich vorerst anschließen.

Mit besten Grüßen

Ihr Redaktionsteam „Wirtschaft-Vertraulich“, aus der Redaktion des Deutschen Wirtschaftsbriefs

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