Was bedeuten neue Wirtschafts-Daten für die US-Zinswende?

© Gina Sanders / Fotolia.com

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“Wirtschaft-vertraulich”:

Liebe Leser,

aus Börsianer-Sicht war die zurückliegende Woche ein voller Erfolg. Von wegen „Sell in may and go away“. Wenn Sie mutig waren, positioniert zu bleiben, konnten Sie beispielsweise im DAX einen Wochengewinn von 3,7% verbuchen. Allerdings heißt das nicht, dass die weitere Börsentendenz nun ein Heimspiel wird. Denn die neue Börsenwoche hält einige Stolpersteine parat.

Im Blickpunkt des Marktes stehen dabei Amerika und Europa gleichermaßen. In den USA dürfte das Interesse an den neuen Konjunkturdaten groß sein. Das trifft vor allem auf die privaten Konsumausgaben zu, die am Dienstag veröffentlicht werden und für die ein Plus von 0,6% (für den Berichtsmonat April) erwartet werden.

 

Holt das Wirtschaftswachstum in Amerika wieder Schwung?

Das wäre eine klare Verbesserung zum Vormonat und könnte auch für das Wirtschaftswachstum im laufenden zweiten Quartal ein wichtiger – und vor allem positiver –Fingerzeig sein. Das gilt auch für den Einkaufsmanagerindex des verarbeitenden Gewerbes, der am Mittwoch für den Monat Mai berichtet werden soll und in der Prognose erneut im expansiven Bereich geblieben sein dürfte.

Nimmt man dann noch die Verbesserungen hinzu, die für die nächsten Arbeitsmarktdaten zum Wochenschluss prognostiziert werden, scheint das Bild perfekt: Im Juni wird es die nächste Zinserhöhung in Amerika geben. Notenbank-Chefin Janet Yellen hatte zwar am vergangenen Freitag auf eine Rede nur gesagt, dass sie eine nächste Zinserhöhung in den „kommenden Monaten“ für angemessen hält.

Doch das darf gern in eine Juni–Maßnahme uminterpretiert werden. Denn dann könnte die US-Notenbank den Sommer über in Ruhe schauen, wie sich die Lage nach dann einem insgesamt halben Prozentpunkt höheren Zinsniveau gestaltet, ehe dann wahrscheinlich im September die Diskussion über neue Schritte wieder an Dynamik gewänne.

 

Europa blickt auf die Inflation

Dass die EZB als europäisches Pendant vor der Sommerpause ebenfalls noch aktiv wird, ist eher unwahrscheinlich, hängt aber zu einem großen Maß von den neuen Inflationsdaten ab. Diese werden für die Euro-Zone am Dienstag veröffentlicht. Dabei gehen die Prognosen davon aus, dass die Inflationsrate im Mai auf minus 0,1% per annum nach minus 0,2% erhöht worden ist. Die Kernrate soll stabil bei 0,7% gelegen haben, wobei einige Analysten auch Prognosen von Verbesserungen auf 0,9% in den Raum stellen.

Unsere Vermutung: Auf der nächsten EZB-Sitzung am Donnerstag wird es zwar keine neuen Maßnahmen geben, weil die EZB – bevor sie eine neue Entscheidung trifft – erst einmal in das avisierte Kaufprogramm für Unternehmensanleihen einsteigen will. Aber je nach dem, wie die Inflationsdaten ausgefallen sind, sollte es zumindest strategische Hinweise geben.

Fazit: Auch wenn es in der neuen Woche viel Diskussionsstoff – und damit Möglichkeiten eines volatilen Börsenhandels – gibt, so rechnen wir generell mit einer eher positiven Fortsetzung der jüngsten Kursaufschwünge. Für Sie als Investoren bedeutet das: Kaufgelegenheiten sind zu nutzen, dabei aber weiter an entsprechende Absicherungen denken.

Mit besten Grüßen

Ihr Redaktionsteam „Wirtschaft-Vertraulich“, aus der Redaktion des Deutschen Wirtschaftsbriefs

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