Warum die Weihnacht-Rallye an der Börse ausfallen könnte

Neue Risiken für die Börsen

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“Wirtschaft-vertraulich”:

Das Jahres-Ultimo ist bereits in Sicht und Sie fragen sich sicher, ob Sie jetzt schon Ihre privaten „Anlage-Bücher“ schließen sollten. Das ist nicht weit hergeholt, schließlich macht der Aktienmarkt derzeit einen recht ermüdeten Eindruck.

Das konnten wir schon Anfang der Woche sehen, als relativ überraschend in Amerika Republikaner und Demokraten einen Kompromiss beim immer noch schwelenden Haushaltsstreit fanden.

 

Haushaltskompromiss in den USA wird kaum wahrgenommen

Bemerkenswert aus politischer Sicht ist dieser Kompromiss, dass auf beiden Seiten endlich von den bisherigen Maximalforderungen abgerückt wurde. Die Demokraten pochten nicht mehr auf Steuererhöhungen für die Reichen.

Die Republikaner verzichteten auf Kürzungen im Sozialwesen. Wobei sich damit die Mehrheit der Republikaner explizit gegen die parteiinterne Tea-Party-Bewegung stellt, die weiterhin kompromisslose Fundamentalopposition betreibt.

 

Augen auf die Fed

Dass der Kompromiss an der Börse nicht den passenden Widerhall fand, lag an drei Buchstaben – Fed. Denn in der kommenden Woche trifft sich noch einmal der Offenmarktausschuss der US-Notenbank.

Dieser ist verantwortlich dafür, geldpolitische Maßnahmen zu beschließen. Und wie ich es schon am Montag schrieb, fürchten viele Investoren, dass sich die amerikanischen Notenbänker nun doch auf einen zügigeren Fahrplan für den Ausstieg aus den bisherigen Anleihenkäufen einigt.

 

EU-Kommission nimmt deutsche Energiewende ins Visier

Aber nicht nur aus Amerika muss der Markt Störfeuer verkraften. Denn auch die EU-Kommission könnte vielen deutschen Unternehmen das Weihnachtsfest verleiden. Denn ebenfalls in der kommenden Woche eröffnet die EU-Kommission ein Verfahren gegen die bisherige finanzielle Befreiung vieler deutscher Unternehmen von der EEG-Umlage.

Bei der EEG-Umlage handelt es sich um einen Kostenblock, der aus dem Unterschied zwischen Einnahmen und Ausgaben entsteht, die bei der Verwertung des Stroms aus erneuerbaren Energiequellen resultieren.

In den letzten Jahren ist die EEG-Umlage dramatisch angestiegen. Kostete sie im Jahr 2000 die Strom-Abnehmer nur 0,20 Cent je Kilowattstunde, mussten die Stromkunden in diesem Jahr bereits 5,277 Cent je Kilowattsunde bezahlen.

 

Befreiung der Unternehmen steht auf dem Spiel

Um die heimische Wirtschaft nicht mit dieser Kostenexplosion zu konfrontieren, hat die Bundesregierung in den vergangenen Jahren immer mehr Betriebe von der EEG-Umlage befreit. Das nimmt nun die EU-Kommission aufs Korn.

Im schlimmsten Fall könnte daraus nicht nur ein Befreiungsverbot folgen. Viel gefährlicher ist, dass die EU-Kommission auch ein rückwirkendes Verbot anordnen könnte. Dann müssten die betroffenen Firmen die EEG-Umlage nachzahlen.

 

Milliardenschwere Nachzahlungen drohen

Erwartet wird, dass dies mindestens für die letzten zwei, drei Jahre angeordnet würde. In der Summe wären dies für die Jahre 2011 bis 2013 mehr als 9 Mrd. Euro.

Das könnte manche Firma finanziell an den Abgrund bringen und bei vielen anderen hohe Rückstellungen und zusammenbrechende Gewinne bedeuten. Erhebliche Kursverluste für die börsennotierten Firmen wären vorprogrammiert.

 

Sichern Sie Ihre Gewinne ab

Das ist kein gutes Umfeld, um an der Börse noch weitere Kursgewinne in den nächsten Tagen zu produzieren. Sie sollten sich entsprechend überlegen, ob Sie nicht vorsichtshalber Gewinne mitnehmen.

Das gilt besonders dann, wenn Sie noch aus den Jahren vor 2009 Altverluste zum Verrechnen haben. Ansonsten rate ich dringend dazu, bestehende Positionen per Stop-Loss abzusichern.

Mit besten Grüßen

Carsten Müller
Chefredakteur: „Wirtschaft-vertraulich“ und „www.liemen.de“

Bildnachweis: Gevestor
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