„Sell in May and go away…“ – Gilt das auch dieses Jahr?

Wird der Mai erneut zur Zäsur im Börsenjahr?

Wird der Mai erneut zur Zäsur im Börsenjahr?

Aus dem aktuellen kostenlosen Newsletter

“Wirtschaft-vertraulich”:

Liebe Leser,

sicher haben auch Sie den oben genannten Spruch in der einen oder anderen Fassung gehört, wenn es um Börsenweisheiten ging. Ich persönlich halte solche Stereotypen für problematisch, denn sie blenden regelmäßig die aktuelle Lage am Markt aus. Allerdings:

In diesem Jahr könnte es sehr gut sein, dass das Sprichwort mal wieder zutrifft. Was gleich mehrfach zu begründen ist.

 

Grund 1: Die angespannte geopolitische Lage

Nachdem die Ukraine-Krise vor einigen Wochen fast komplett schon wieder vom Schirm der Börsianer verschwunden war, hat sie nun wieder deutlich an Einfluss gewonnen. Was damit zusammenhängt, dass alle Beteiligten nicht in der Lage oder Willens sind, eine fortschreitende Eskalation in der Ost-Ukraine zu verhindern.

Folge: Die Signale aus der Wirtschaft mehren sich, dass Sanktionen und politische Zerwürfnisse die Geschäftslage bei den Unternehmen zunehmend eintrüben. Das kann die Börse nicht ignorieren.

 

Grund 2: Die „Saure-Gurken-Zeit“ beginnt

Dass in der Vergangenheit der Mai immer als ein schlechter Börsenmonat herausgestellt wurde, lässt sich statistisch nachvollziehen. Denn nach dem September ist er historisch gesehen mit einem durchschnittlichen Minus von 0,5% der zweitschlechteste Börsenmonat im Jahr.

Dass es so ist, wird immer wieder in den Zusammenhang mit zwei Themen bzw. deren Abwesenheit gestellt. Denn im Mai ist einerseits ein Großteil der vorhergehenden Quartalsberichtssaison vorbei. Damit können entscheidende Impulse bei Unternehmensnachrichten fehlen.

Andererseits haben auch viele Unternehmen bis dahin schon ihre Jahresdividenden ausgeschüttet. Ebenfalls ein Grund, warum die Anleger das Interesse verlieren könnten.

 

Grund 3: Die Urlaubszeit naht

Der Mai ist nun mal der Einstieg in den Sommer und damit in die Urlaubszeit. Zwar gehen die meisten Anleger erst im Juli und August in die Ferien. Aber die Erwartung dieser Pause kann dafür sorgen, dass schon vorab Positionen reduziert werden.

 

Dennoch:

Wenn Sie Ihre Anlagestrategie einzig auf solche angeblichen saisonalen Muster ausrichten, setzen Sie aufs falsche Pferd. Denn gerade in den letzten Jahren hat sich gezeigt, dass nicht der Mai der problematische Monat ist, sondern mehr August und September. Im Mai und Juni war dagegen oftmals noch richtig Geld zu verdienen.

Somit sollten solche alten Börsenregeln zwar durchaus Ernst genommen werden, weil sich (noch) viele Anleger danach richten. Entscheidend für Ihre persönliche Planung sollte aber das aktuelle Umfeld sein.

Das hat sich allerdings derzeit zunehmend eingetrübt, weshalb in diesem Jahr der Spruch wieder Gültigkeit haben könnte. Seien Sie also vorsichtig und sichern Sie sich gegenüber Rückschlägen mittels Stopp-Loss ab.

Mit besten Grüßen

Carsten Müller
Chefredakteur: „Wirtschaft-vertraulich“ und „www.liemen.de“

Bildnachweis: Gevestor
Print Friendly, PDF & Email

keine Kommentare...