Lassen Sie bloß die Finger von geschlossenen Fonds

© Alterfalter / Fotolia.com

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“Wirtschaft-vertraulich”:

Liebe Leser,

man mag es kaum glauben: Noch immer lassen sich private Anleger in geschlossene Fonds locken. Obwohl das hohe Risiko dieser Anlageform seit vielen Jahren bekannt ist und auch in der Presse und Fachmedien ausführlich besprochen wurde, lassen sich leider immer noch zu viele Gutgläubige mit ansprechenden oder sogar überdurchschnittlichen Renten locken.

Wobei den Anlegern sicher kaum kein Vorwurf gemacht werden kann. Schließlich sind es ja auch die Politik und die Europäische Zentralbank, die diesen faktischen Anlage-Notstand zu verantworten haben. Ihre dauerhafte Niedrig-Zins-Politik sorgt dafür, dass Anleger ins Risiko gehen müssen, um wenigstens eine halbwegs vernünftige Verzinsung ihres Kapitals zu erreichen.

Hinzu kommt, dass die Kapitalmarktaufsicht immer noch aus unserer Sicht viel zu lasch mit halbseidenen und dubiosen Angeboten auf dem grauen Kapitalmarkt umgeht, ein beliebter Tummelplatz eben auch für geschlossene Beteiligungsangebote.

 

Kaum ein geschlossener Fonds erfüllt sein Rendite-Versprechen

Wer einmal drin und gefangen ist, merkt schnell: Schiffe, Energieprojekte, Filmproduktionen und Ähnliches eignen sich für Sie als Privatinvestoren nicht. Denn die Risiken derartiger unternehmerischer Beteiligungen sind viel zu hoch. Und viel zu oft auch umsonst. Denn nur die wenigstens geschlossenen Fonds können am Ende ihre Renditeversprechungen halten.

Das ist auch das Ergebnis der Verbraucherzeitschrift „Finanztest“, das wir Ihnen hier an dieser Stelle in Kürze vorstellen wollen. Die Kollegen haben die Gewinnentwicklung von gut 1.100 geschlossenen Fonds seit 1972 untersucht. Und kamen dabei zu einem wenig schmeichelhaften Ergebnis. Denn im Beobachtungszeitraum haben es lediglich 6% der Fonds überhaupt geschafft, ihre eigenen Gewinnprognosen zu erfüllen.

 

Geschlossene Fonds sind für Anleger die reine Geld-Vernichtung

Demgegenüber haben 69% der Fonds, anstatt Gewinne abzuwerfen, nichts als Verluste eingefahren – ein Desaster. Dabei fielen die Verluste bei Schiffsbeteiligungen und Medienfonds am höchsten aus. Bei den inzwischen schon aufgelösten untersuchten Fonds wurden 4,3 Mrd. Euro Anlegergeld vernichtet.

 

Die einzigen Gewinner: Emittenten und Vertrieb

Zur Einschätzung und Erinnerung: Bei ihrer Auflegung hatten diese Fonds Gewinne von 15,4 Mrd. Euro in Aussicht gestellt. Doch die einzigen, die an geschlossenen Fonds garantiert verdient haben und noch verdienen, sind die Emissionshäuser und der Vertrieb. Diese streichen Gebühren und Provisionen ein, die in der Spitze bis zu 30% der Einzahlungen erreichen.

Also im Fazit noch einmal unsere eindringliche Warnung: Lassen Sie die Finger von geschlossenen Fonds. Bei solchen Angeboten sind Sie nie „nur“ Anleger, sondern durch die entsprechenden gesellschaftsrechtlichen Konstruktionen Mit-Gesellschafter, mit allen Verlustrisiken, aber ohne kaum ein Mitspracherecht zu haben. Und die Praxis zeigt: Das geht selten gut.

Mit besten Grüßen

Ihr Redaktionsteam „Wirtschaft-Vertraulich“, aus der Redaktion des Deutschen Wirtschaftsbriefs

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