EZB schiebt Aktienrallye an, schießt die US-Notenbank jetzt quer?

© jochenL.E. / Fotolia.com

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“Wirtschaft-vertraulich”:

Liebe Leser,

zum Wochenstart ließen die Börsianer in Frankfurt leise die Korken knallen. Denn erstmals seit Jahresanfang konnte sich das wichtigste deutsche Börsenbarometer, der DAX, wieder auf die Marke von 10.000 Punkten verbessern. Den Grund dafür haben Sie als Investoren schon in der vergangenen Woche geliefert bekommen. Denn die Europäische Zentralbank überraschte gleich mit einem ganzen Korb an Maßnahmen, um der zuletzt wieder schwächelnden Inflation auf die Beine zu helfen.

Wie wir an dieser Stelle schon avisiert hatten, wurde dabei der Einlagenzins, zu dem Geschäftsbanken ihr Geld bei der EZB parken, weiter abgesenkt und beträgt nun minus 0,4%. Doch darüber hinaus erweiterte die Zentralbank nicht nur den monatlichen Umfang ihrer Anleihenkäufe auf nunmehr 80 Mrd. Euro pro Monat. Zusätzlich dazu wird nun auch eine ganze Reihe von Unternehmensanleihen mit einbezogen. Außerdem werden noch vier längerfristige Kreditprogramme der EZB zum neuen Refinanzierungssatz bei 0% aufgelegt

 

Geld zum Nulltarif

Für die praktische Seite bedeutet das: Den Banken stehen inzwischen faktisch unbegrenzte Mittel zum Nulltarif zur Verfügung. Damit hofft die EZB, dass die Kreditvergabe angekurbelt wird, die Unternehmen und Verbraucher investieren und konsumieren und damit auch das Preisniveau wieder steigt. Steigende Preise würden am Ende die Unternehmensgewinne steigern und zu mehr volkswirtschaftlichem Wachstum und Einkommen führen.

Die Frage, die aber immer noch unbeantwortet ist: Nehmen die Banken das Geschenk an? Mit Blick auf die letzten 12 Monate kann man zwar eine leichte Belebung des Kreditgeschäftes beobachten, doch noch viel zu wenig, um hier von einer echten Trendwende zu sprechen. Im Gegenzug häuft die EZB immer höhere Risiken in ihrer Bilanz an mit der Gefahr, dass ihr dies am Ende auf die Füße fällt.

 

US-Notenbank könnte für neues Störfeuer sorgen

Wie schwer es dann ist, eine Trendwende einzuschlagen, zeigt derzeit das amerikanische Pendant. Denn dort steht in dieser Woche die nächste Sitzung der Fed an und es wird nicht erwartet, dass die Notenbank ihre begonnene Zinswende weiter fortführt. Dazu hatte man sich in den letzten Wochen schlichtweg zu vorsichtig geäußert.

Aber es könnte sein, dass nun trotzdem ein Umdenken stattfindet. Denn die jüngsten Konjunkturdaten signalisierten keine Schwäche der US-Wirtschaft, im Gegenteil. Deshalb könnte es sein, dass die Fed nun eine schärfere Tonlage anschlägt hinsichtlich weiterer Zinserhöhungen. Das wird Spuren auch am Aktienmarkt hinterlassen.

 

Bleiben Sie trotz Rallye defensiv

Deshalb: Die Rallye am europäischen Aktienmarkt ist mit dem weiteren Öffnen der EZB-Geldschleusen gut erklärt, dürfte aber kaum auf Wochen tragfähig bleiben. Vielmehr ist damit zu rechnen, dass, wenn die US-Notenbank Signale einer weiteren Zinserhöhung sendet, Gewinnmitnahmen einsetzen. Deshalb sollten Sie sich als Anleger momentan auch nur auf kurzfristige Investitionen fokussieren und diese immer per Stopp-Loss absichern.

Mit besten Grüßen

Ihr Redaktionsteam „Wirtschaft-Vertraulich“, aus der Redaktion des Deutschen Wirtschaftsbriefs

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