Der Brexit wirft seine Schatten voraus

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“Wirtschaft-vertraulich”:

Liebe Leser,

als Anleger haben Sie es im Moment nicht leicht. Zwar konnte sich der DAX zuletzt wieder deutlich freundlicher zeigen und die immer wieder als psychologisch wichtig bezeichnete Marke von 10.000 Punkten überwinden. Doch von echter guter Stimmung, die auch über die nächsten Wochen oder sogar Monate tragfähig erscheint, kann keine Rede sein.

Das gilt auch für andere Indizes bzw. Börsensegmente wie beispielsweise dem Anleihenmarkt. Der hat sich zwar weiterhin vor allem mit den Zinsaussichten in Amerika zu beschäftigen. Doch auch er hält fast sprichwörtlich den Atem an und wagt keine längerfristige Prognose. Was in der Hauptsache an einem Ereignis liegt.

 

Treten die Briten aus der EU aus?

Denn am 23. Juni stimmen die Briten über den Verbleib ihres Landes in der EU ab. Zwar hatten zuletzt die Umfragen gezeigt, dass die Befürworter eines Verbleibs in der EU inzwischen auf einen höheren Stimmenanteil kommen. Doch gesungen ist die Messe noch lange nicht. Denn das Austritts-Lager versucht derzeit faktisch alles, um das Ruder noch einmal herumzureißen.

Ob es gelingt, werden wir erst am 23. abends oder am Tag darauf erfahren. Denn auf die aktuellen Umfragewerte kann man sich nicht verlassen, allenfalls eine gewisse Tendenz ablesen. Aber was so etwas wert ist, hatten wir ja schon im Vorfeld der Bundespräsidenten-Wahlen in Österreich gesehen.

 

Liquidität bevorzugt

Unter diesen Aspekten will sich entsprechend kein Groß-Anleger festlegen und im Markt positionieren. Liquidität scheint erneut wieder König zu sein und nur noch sehr liquide Aktien und Bonds machen das Rennen. Was auch ein ganz bestimmtes Marktsegment schmerzhaft zu spüren bekommt.

Denn das Salz in der Suppe jedes Aktienmarktes sind die Neuemissionen. Wie viele Unternehmen neu an den Markt kommen und zu welchen Preisen, sagt immer viel über die Grundstimmung und den Zustand eines Marktes aus. Und da ist aktuell mehr Saure-Gurken-Zeit.

 

Neuemissions-Geschäft leidet unter Anspannung

Während es in Amerika noch halbwegs normale Niveaus gibt, ist der IPO-Markt (steht für Initial Public Offering – Neuemission) in Europa nahezu eingeschlafen. Wer sich an die Börse in den nächsten Tagen und Wochen trauen will, muss schon etwas ganz besonderes bieten.

So bringt die laufende Platzierung der Lichtsparte der niederländischen Philips als eine der wenigen das nötige Volumen mit, um auch bei institutionellen Anlegern auf Aufmerksamkeit zu stoßen. Kleine Werte werden dagegen links liegen gelassen oder sagen gleich mal ganz den geplanten Börsengang ab. Dieser Zustand dürfte nun – wegen der nötigen Vorbereitungszeiten – bis nach dem Sommer anhalten, egal, wie die Brexit-Abstimmung in Großbritannien ausfällt. Damit könnte 2016 eines der schwächsten Neuemissionsjahre seit längerem werden.

 

Machen Sie Ihr Depot sturmfest

Fazit für Sie: Es sind noch knapp vier Wochen bis zu Abstimmung und die sollten Sie nutzen, um sich bei Ihren Anlagen für alle Eventualitäten abzusichern. In den meisten Fällen dürften Stopp-Loss-Aufträge zur Absicherung der Gewinne reichen. Wer in Währungen engagiert ist, sollte hier über Absicherungsstrategien oder Optionen nachdenken und sich insgesamt auf eine erhöhte Volatilität gefasst machen.

Ganz grundsätzlich erwarten wir im Übrigen, dass sich auf der Insel die Vernunft durchsetzt, zumal Großbritannien bei aller Kritik einer der wichtigsten EU-Mitglieder ist, weil es immer wieder gegen den überbordenden Zentralismus in Brüssel ankämpft.

Mit besten Grüßen

Ihr Redaktionsteam „Wirtschaft-Vertraulich“, aus der Redaktion des Deutschen Wirtschaftsbriefs

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