Der Geldvermehrungstrick

Lieber Leser,

wir dürfen uns freuen: Laut einer Studie des Finanzdienstleisters EOS sind wir besonders solide. Nicht geizig, sondern kaufmännisch kalkulieren. Wenn wir uns verschulden, dann besonders für Immobilien. Diese Darlehen jedoch sind in den Augen der Darlehensnehmer keine „richtigen Schulden“, sondern offenbar nur das Gegengewicht zum Immobilienvermögen. Das Ergebnis der Studie zeigt, dass wir den USA und den Investoren in Russland deutlich überlegen sind.

Die Geldfalle

Warum wir so erfolgreich sind, zeigen weitere Fakten, die ich Ihnen gerne als Beispiel dafür geben möchte, was wir noch unternehmen können, um Geld zu verdienen. So sind wir beispielsweise solider im Umgang mit „weiteren Krediten“, verzichten also darauf, wenn die Immobilien einmal finanziert sind.

Immobiliendarlehen haben wir demnach vor allem deshalb aktuell in großer Höhe, weil die Zinsen so niedrig sind. Aus keinem anderen Grund. Ganz anders ist die Situation in den USA, bei denen die „Sorglosen“ Kreditnehmer einen viel höheren Anteil an den Darlehen hat.

Und genau dies wird zur Falle: die Zinsen in den USA steigen bereits, während sie bei uns aktuell noch seitwärts tendieren. Dennoch: Günstiger werden sie nicht. Wer hohe Kredite aufnimmt, wird bei steigenden Kreditvolumina in der Regel in späteren Jahren doppelt und dreifach zahlen. Banken verkaufen jetzt aggressiver Kredite, um später bei Kreditverlängerungen dann mehr zu verdienen. Wer Darlehen aufnimmt, um Immobilien zu finanzieren, sollte demgegenüber vor allem die Tilgungsrate erhöhen. Denn unabhängig vom Niveau, das Sie zahlen müssen, ergibt sich selbst bei niedrigen Zinsen ein Zins- und Zinseszinseffekt auf jeden Kredit. Umgekehrt wird jeder zurückgezahlte Cent mit diesem Zins- und Zinseszinseffekt belohnt.

Versteckte Kredite für Privatinvestoren

Dasselbe Prinzip wirkt auch bei Anlagen in geschlossene Fonds. Hier gehen Investoren gerade jetzt angesichts der niedrigen Zinsen oft große Risiken ein. Wenn die Projekte nicht wie gewünscht funktionieren, wird irgendwann eine große Überraschung präsentiert: Sie müssen „nachzahlen“, weil Sie Mitunternehmer sind. Das heißt: Investitionen in geschlossene Fonds sind faktisch Wetten darauf, dass Sie keine künftigen Kredite vergeben (Investitionen mit offenem Ende).

Auch wer Anleihen kauft, muss wissen, dass dies Kredite an Anleiheschuldner sind. Wenn wie aktuell viele alte Anleihen durch neue Anleihen ersetzt werden, müssen Sie sich als Kreditgeber fragen, ob der Schuldner später höhere Zinsen wird zahlen können (wenn die nächsten Anleihen aufgenommen werden). Bei niedrigen Zinsen empfehlen sich Anleihen wegen des dramatisch höheren Risikos ohnhin nicht.

Schließlich werden aktuell auch Aktien-Investitionen auf Kredite abgeschlossen. Der sogenannte Hebel-Effekt, also niedrige Darlehenszinsen durch höhere Aktienrenditen aufzufangen, kann schnell in die andere Richtung gehen. Bei steigenden Zinsen kann es zwischenzeitlich immer wieder zu Einbrüchen am Aktienmarkt kommen. Durch die geringere Besicherung werden Banken die Darlehen dann beenden und frühzeitige Rückzahlung verlangen. Schon verlieren Investoren überproportional. Das heißt: Niedrige Zinsen können zur Geldfalle werden. Wir warnen davor, übermäßig Darlehen aufzunehmen und diese nicht so schnell wie möglich abzulösen. Allen Angeboten Ihrer Bank zum Trotz.

Hier finden Sie unsere – kostenfreie – Checkliste dazu. Einfach klicken bitte.

Mit den besten Grüßen
Ihr

Janne Jörg Kipp

Chefredakteur „Wirtschaft-Vertraulich“

P.S. Jamaika ist Geschichte. Der Spiegel titelt „Stunde Null“. Vor 14 Tagen hieß es noch „Deutschlands Wirtschaft droht zu überhitzen“. Ja, was denn nun? Es gibt zu allen Zeiten Unternehmen, die Gewinne erwirtschaften. Die Liste mit meiner Gewinn-Garanten für 2018 finden Sie HIER

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