Zinsspekulationen sorgen für nervöse Börsenkurse

© zmu / Fotolia.com

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“Wirtschaft-vertraulich”:

Liebe Leser,

wie fragil die derzeitige Börsenstimmung ist, konnten Sie am vergangenen Freitag gut beobachten. In einem eh schon schwachen Börsenhandel sackten die Kurse am Freitag Nachmittag noch einmal deutlich ab, nachdem die Arbeitsmarktdaten aus den USA veröffentlicht wurden. Der Grund:

Zwar blieben die im August neu geschaffenen Stellen mit 173.000 deutlich unter den Erwartungen, doch aufgrund von Korrekturen nach oben für die beiden vorangegangenen Monate ergab sich nun für dieses Jahr ein monatlicher Durchschnitt von 221.000 neuen Stellen. Was am Ende dazu führte, dass die Arbeitslosenquote insgesamt unerwartet stark auf 5,11% zurückging.

 

Wie interpretiert die US-Notenbank die neuen Arbeitsmarktdaten?

Das Problem an diesen Zahlen: Folgt die US-Notenbank ihren bisherigen Einschätzungen und Erklärungen, wäre solch ein starker Arbeitsmarkt ein womöglich ausschlaggebender Grund, um die Zinswende in Amerika doch noch in diesem Monat einzuläuten. Am 17. September steht die nächste Fed-Sitzung auf dem Programm und die Nervosität im Markt rührt eben daher, dass die Anleger nicht abschätzen können, ob sich die US-Notenbank nun an den sehr robusten Wirtschaftsdaten orientiert (was für eine Zinserhöhung sprechen würde) oder an den allgemeinen Marktturbulenzen, insbesondere ausgelöst durch China (was für ein weiteres Abwarten sprechen würde).

Doch Unsicherheit ist eben Gift für die Börsenkurse und entsprechend hoch sind auch die aktuellen Schwankungsbreiten. Zumal in dieser Woche die Börsianer in gewissem Sinn allein gelassen werden. Denn auf dem Terminkalender für Konjunkturdaten sowohl in Amerika als auch in Europa stehen eher zweitrangige Datensätze.

 

Terminkalender ausgedünnt, nur wenige interessante Daten warten

Aktuell sehen wir hier nur 2 Daten für Amerika als halbwegs interessant an. Das wären am Dienstag der Arbeitsmarktindikator der Fed und am Freitag der Verbrauchervertrauensindex der University of Michigan. In Europa geht es morgen vor allem um den Sentix Investoren-Vertrauensindex. Außerdem gibt es aus einigen Ländern der Euro-Zone noch Daten zur Industrieproduktion.

Dabei hat Deutschland schon zum Wochenauftakt geliefert. Mit einem Anstieg um 0,7% im Juli hat Deutschlands Wirtschaft dabei ein ordentliches Ergebnis abgeliefert nach einem Minus von 1,4% in der Vorperiode. Allerdings bleibt dieser Wert deutlich hinter den Marktprognosen zurück, die im Konsens bei 0,9% lagen.

 

Zu viele widersprüchliche Markteinflüsse

Daraus ließe sich durchaus ableiten, dass auch die anderen drei Länder, die berichten werden (Frankreich, Spanien und Italien), womöglich positive Zahlen melden, die aber etwas unter den Erwartungen bleiben werden. Ob und was der Aktienmarkt daraus dann im Endeffekt macht, müssen Sie abwarten. Denn in Börsensituationen wie der aktuellen überlagern sich sehr verschiedene Themen (China, Zinsfrage, Flüchtlingsstrom, Konjunktur) und sorgen damit für deutlich unsicherere Verhältnisse.

Fazit: Agieren Sie weiter defensiv.

Mit besten Grüßen

Ihr Redaktionsteam „Wirtschaft-Vertraulich“, aus der Redaktion des Deutschen Wirtschaftsbriefs

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