Wie schneidet Europa im Wachstums-Wettbewerb ab?

© Tanja Bagusat / Fotolia.com

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“Wirtschaft-vertraulich”:

Liebe Leser,

dass Europa an den internationalen Kapitalmärkten immer noch nur die zweite Geige spielt, konnten Sie in den vergangenen Tagen gut nachverfolgen. Denn die meisten Diskussionen bei den Marktteilnehmern drehten sich um die Frage, ob denn die US-Notenbank nun doch ihre erste Zinserhöhung im Dezember machen wird.

Fed-Chefin Janet Yellen tat ja bekanntlich alles dafür, diese Erwartung weiter anzuheizen, was sich in deutlich gestiegenen Renditen bei den US-Staatsanleihen niederschlug.

Was aber nicht bedeutet, dass Europa gänzlich im Interesse des Marktes abgeschrieben ist. Dabei könnte gerade die neue Woche weitere Nahrung auch für die hiesige Notenbank-Spekulation bringen. Deren Rahmen haben wir Ihnen schon Anfang des Monats kurz vorgestellt und lässt sich auf folgende Formel zusammenfassen:

 

Wird die EZB zum Handeln gezwungen?

Die EZB wird – voraussichtlich – schon im Dezember entweder das laufenden Anleihenkauf-Programm aufstocken oder mindestens den bereits bestehenden negativen Einlagensatz für die Banken weiter absenken. Das alles in der Hoffnung, einerseits die durchaus positiven Impulse bei der Kreditvergabe an private Verbraucher und mittelständische Unternehmen weiter zu stimulieren und andererseits die disinflationären Tendenzen in der Euro-Zone endlich zugunsten echter Preissteigerungen umzukehren.

Denn Inflation in beschränktem Umfang ist vor allem eins: Ein Garant für steigende Unternehmensgewinne und damit für eine robuste Konjunktur.

Wobei die neue Börsenwoche gerade in dieser Hinsicht auch neue Erkenntnisse bringen dürfte. Denn am Freitag werden eine ganze Reihe von Euro-Ländern die ersten Zahlen zum Wirtschaftswachstum im vergangenen Quartal vorlegen, darunter die beiden größten Volkswirtschaften Deutschland und Frankreich sowie die Euro-Zone als Ganzes.

 

Schwächelt ausgerechnet Deutschland?

Die Prognosen könnten dabei Wasser auf die Mühlen derjenigen sein, die von der EZB eben die beschriebenen konjunktur-stimulierenden Maßnahmen fordern. Denn für Deutschland wird in der ersten Schätzung mit einem Wachstum von 0,3% zum Vorquartal (Vorperiode plus 0,4%) gerechnet.

Frankreich soll nach einem Null-Wachstum immerhin gute 0,3% Wachstum zum Vorquartal erreicht haben und die Euro-Zone insgesamt ein BIP-Wachstum von 0,4% (nach ebenfalls 0,4% im zweiten Quartal) ausweisen. Weitere Zahlen gibt es noch von den Niederlanden, Portugal und Griechenland.

 

Zurückhaltung empfohlen

Doch selbst, wenn die Erwartungen so erreicht werden, gibt es nichts daran zu deuteln: Europa bzw. die Euro-Zone ist weiterhin weit weg von ihrem möglichen Potenzialwachstum. Wobei ausgerechnet Deutschland zunehmende Anzeichen einer Wachstumsverlangsamung zeigt. Unter solchen Voraussetzungen wird die EZB so oder so gezwungen sein, zu handeln.

Fazit also für Sie, wenn Sie am Aktienmarkt investieren: Die neue Woche dürfte erst einmal relativ schwierig werden, wahrscheinlich sogar sehr volatil, bis am Freitag einiges klarer wird. Entsprechend gilt, wenn Sie investiert haben, dies durchaus zu bleiben, aber neue Engagements erst einmal zurückzustellen.

Mit besten Grüßen

Ihr Redaktionsteam „Wirtschaft-Vertraulich“, aus der Redaktion des Deutschen Wirtschaftsbriefs

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