Warum über eine Abschaffung von Bargeld nachgedacht wird

Was passiert, wenn das Bargeld abgeschafft wird?

Was passiert, wenn das Bargeld abgeschafft wird?

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“Wirtschaft-vertraulich”:

Liebe Leser,

diese Schlagzeilen haben viele Leser von Wirtschaft –Vertraulich und vom Deutschen Wirtschaftsbrief elektrisiert: Es wird in der Politik und bei den so genannten Wirtschaftsweisen offen darüber diskutiert, ob das Bargeld nicht besser abzuschaffen sei. Federführend dabei der „Wirtschaftsweise“ Peter Bofinger, der Bargeld in der heute technisierten westlichen Welt für einen Anachronismus hält.

Schmackhaft gemacht werden soll uns diese Idee von einer bargeldlosen Welt mit der Überlegung, dass ja alles so viel einfacher wäre mit dem Bezahlen, wenn man nur sein Smartphone zücken und z. B. kontaktlos damit bezahlen würde, was ja technisch heute schon möglich ist.

Doch ausgerechnet Bofinger liefert gleich noch den wahren Grund für solche Überlegungen hinterher. Denn es geht nach dem Gusto der Ökonomen schlicht darum, mehr Druck auf die Kaufentscheidungen der Kunden und damit auf die Effekte ihres Konsumverhaltens auf die Gesamtvolkswirtschaft ausüben zu können.

 

Ohne Bargeld sind Sie den Mächtigen ausgeliefert

Einfach gesagt: Wer sein eigenes Ausgabenverhalten mit Bargeld nicht mehr selbst steuern kann, sondern nur noch Zugriff auf elektronisches „Buchgeld“ hat, ist auf Gedeih und Verderb der Politik, den Banken und der EZB ausgeliefert. Das zeigt schon die aktuelle Lage. Das Geld, das Sie real in den Händen halten, steht zu Ihrer freien Verfügung, denn die Bargeld-Haltung kostet im Prinzip nichts. Sie können es also zum Konsum einsetzen oder es eben lassen.

Würden Sie nur noch über elektronisches Geld verfügen, könnten Sie darauf wetten, dass Sie inzwischen negative Guthabenzinsen auch bei Ihren normalen Bankguthaben hätten. Denn die Banken müssen für ihre Einlagen bei der EZB ja auch negative Zinsen bezahlen. In solch einem Fall wird jeder rational denkende Mensch das Geld lieber für den Konsum einsetzen, anstatt noch für die „Aufbewahrung“ Geld zu bezahlen. Zwar hätte die Geldpolitik hierbei den besseren Durchgriff, um ihre Maßnahmen durchzusetzen. Doch für den Einzelnen wäre das eine schlechte ökonomische Wahl.

 

Alltags-Kompetenz im Umgang mit Geld ist gefährdet

Aber nicht nur das „große Weltbild“ spricht gegen eine Abschaffung von Bargeld. Auch im Alltag finden sich viele Argumente dagegen. So schrieb uns eine Mutter, dass nur mit Bargeld Kinder den sinnvollen Umgang mit Geld lernen. Ein Einzelhändler schimpfte, dass Bofinger wohl nie selbst einkaufe, denn eine Barzahlung gehe viel schneller. Zudem sei Bargeld für viele Bürger unverzichtbar, um ihre eigenen Ausgaben unter Kontrolle zu halten. Der Überblick ginge verloren, wenn jegliche Zahlungen elektronisch erfolgten.

Und nicht zu vergessen: Die Verunsicherung, was mit dem eigenen Geld passieren kann, dürfte zunehmen. Denn ohne Bargeld würden sämtliche Bürger zu Zwangsgläubigern der kontoführenden Institute gemacht. Dass Banken aber durchaus pleitegehen können, haben wir zuletzt in Zypern gesehen. Wobei in den meisten Ländern die Einlagen lediglich bis zu einer gewissen Höhe pro Kunde abgesichert sind. Zu Hause aufbewahrtes Geld kann damit sicherer sein als einer Geschäftsbank anvertraute Summen.

 

Auf dem Weg zum gläsernen Bürger

Und zum Schluss geht es natürlich auch um den Aspekt Überwachung. Denn ohne Bargeld würde jeder endgültig zum gläsernen Kunden. Ganz abgesehen von der nicht vorhandenen Datensicherheit, wie die NSA-Überwachung und regelmäßige Hackerangriffe zeigen. Das von den Befürwortern der Bargeldabschaffung angeführte Argument, dass man damit die organisierte Kriminalität bekämpfen würde, sticht ebenfalls nicht. Denn gerade große kriminelle Geschäfte würden auch hier ihren Weg finden, sich zu maskieren.

Letztlich ist es traurig, aber wahr: Bargeld zu haben ist eine der letzten echten bürgerlichen Freiheiten, die wir noch besitzen. Das gilt es weiterhin zu verteidigen. Wir bleiben am Ball.

Mit besten Grüßen

Ihr Redaktionsteam „Wirtschaft-Vertraulich“, aus der Redaktion des Deutschen Wirtschaftsbriefs

Bildnachweis: Gevestor

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