Startschuss für das Anleihen-Kaufprogramm der EZB

Die EZB beginnt mit ihrem Anleihen-Kaufprogramm

Die EZB beginnt mit ihrem Anleihen-Kaufprogramm

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“Wirtschaft-vertraulich”:

Liebe Leser,

die Frage, die Sie als Investoren sicherlich auch umtreibt, ist: Hat der Markt in Erwartung des EZB-Anleihenkauf-Programms nun schon den Großteil seines Pulvers verschossen oder kann die aktuelle Rallye ungehemmt weitergehen? Eine erste Antwort darauf könnte die neue Woche geben.

An der Börse gibt es ja ein schönes Sprichwort: „Buy the rumors, sell the facts.“ Frei übersetzt: Die größten Kursgewinne entstehen bei neuen Spekulationen. Werden diese dann Wirklichkeit, neigen die Anleger dazu, wieder zu verkaufen und sich neuen Themen zuzuwenden.

Bei den von der Europäischen Zentralbank avisierten Anleihenkäufen in den kommenden eineinhalb Jahren funktionierte das bisher ähnlich. Denn bevor die EZB auch nur eine Anleihe im Rahmen ihres neuen Programms gekauft hat, zogen schon die Notierungen am Markt an und fielen vielerorts die Renditen von Staatsanleihen auf neue Rekordtiefs.

 

Kann das Kaufprogramm tatsächlich die Kurse beeinflussen?

Mit dem heutigen Montag fällt nun offiziell der Startschuss zum Kaufprogramm. Und da stellt sich natürlich die Frage, ob die zusätzliche Nachfrage objektiv ausreicht, um die Kurse weiterhin zu beeinflussen oder ob eben schon zu viel Phantasie vorweggenommen wurde.

Immerhin: Letzte Woche steckte die EZB auf ihrer Ratssitzung noch einmal den Rahmen für die kommenden Anleihenkäufe ab. Und das mit einer kleinen Überraschung.

Zwar rührte man nicht an den Leitzinsen, was wir in der vergangenen Woche schon diskutiert hatten. Dafür wurde aber festgehalten: Zum einen sind griechische und zypriotische Anleihen erst einmal nicht dabei (Zypern aber mit der Chance einer baldigen Aufnahme in das Kaufprogramm).

 

Letzte Details überraschen

Zum anderen sollen nur Anleihen gekauft werden, deren Rendite über dem aktuellen Einlagensatz der EZB liegen. Dieser beträgt aktuell minus 0,2%. Das bedeutet, dass auch kurzlaufende Bundesanleihen nicht gekauft werden. Da wird mancher Investor umdenken müssen. Entsprechend sehen Marktteilnehmer derzeit auch die größten Verbesserungschancen für Renditen bei mittleren und langlaufenden Bundesanleihen.

Jetzt, wo auch die letzten Details des beginnenden Kaufprogramms bekannt sind, nimmt die Diskussion wieder in andere Richtungen Fahrt auf. Die zwei Hauptströmungen dabei: Wird die EZB bei einer Verbesserung der Wachstums- und Inflationszahlen schneller als geplant im kommenden Jahr das Kaufprogramm beenden? Die jüngst angehobenen Wachstumsprognosen durch die EZB selbst lassen hier Interpretationsspielraum.

 

Neue Diskussionen: Schnellerer Schluss oder eher Verlängerung?

Im Gegensatz dazu dreht sich der zweite Diskussionsstrang darum, ob es nach dem September 2016 vielleicht sogar ein Kaufprogramm 2.0 geben wird. Das könnte geschehen, wenn die Wachstumsdaten zwar grundsätzlich positiver sind, aber weiterhin nur ein mageres Niveau zeigen.

Also weiterhin viel Raum für Spekulationen im Markt und damit auch gute Chancen, dass die Rallye weitergeht. Als Anleger können Sie hier weiter aktiv mitspielen. Aber erneut der Hinweis: Nur mit entsprechenden Absicherungen.

Mit besten Grüßen

Ihr Redaktionsteam „Wirtschaft-Vertraulich“, aus der Redaktion des Deutschen Wirtschaftsbriefs

Bildnachweis: Gevestor

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