Solange die Konjunktur im Euro-Raum nicht anzieht, wird die EZB versuchen, die Zinsen niedrig zu halten

Solange die Konjunktur im Euro-Raum nicht anzieht, wird die EZB versuchen, die Zinsen niedrig zu halten

Vorige Woche thematisierte ich hier die Manipulationen der Notenbanken

Schon dieser kleine Hinweis bewirkte, dass mich mehrere von Ihnen anriefen. So wurde ich gefragt, ob die Notenbanken überhaupt noch Lösungen liefern. Und immer wieder kam die „alte“ Bundesbank bei Ihnen ins Gespräch.

Diese hatte sich über die Jahre hinweg echte Glaubwürdigkeit erarbeitet. Weltweit wurde sie als die Hüterin der Preisstabilität angesehen und geschätzt. Ihr klares Ziel war es, der Teuerung wirksam entgegenzuwirken. Mehr noch: Sie ließ sich in ihrer Geldpolitik niemals von äußeren Faktoren beeinflussen.  Mit dieser Unabhängigkeit ist es längst vorbei.

Mit der Finanzkrise sind die Zentralbanken von Inflationsbekämpfern zum Rettungsdienst für alles geworden. Inzwischen stützen sie nicht mehr nur das gesamte Finanzsystem, sondern auch die nationalen Volkswirtschaften.

Eine aggressive Geldpolitik war sicherlich notwendig, um die Weltwirtschaft vor dem Kollaps zu retten.

Mittlerweile dient sie jedoch immer mehr dazu, die Konjunktur der jeweiligen Länder in Schwung zu bringen. Zudem ermöglicht sie den Politikern, mit billigem Geld kurzfristig Finanzlöcher zu stopfen. Damit nicht genug:

Auch unbequeme Reformen lassen sich so leichter aufschieben. Der Erfolg dieser Strategie ist indes fragwürdig.

Denn: Je länger sich alle auf Finanzspritzen verlassen, desto größer werden die Probleme, die daraus folgen. Billiges Geld sorgt für steigende Preise an den Finanz- und Immobilienmärkten und erzeugt Wohlstandseffekte. Zugleich aber steigt die Gefahr einer Blasenbildung. Das Wirtschaftswachstum dagegen wird kaum angekurbelt.

Das bedeutet: Die Notenbanken sitzen in einer Falle, aus der sie sich nur schwer wieder befreien können.

Wie gefährlich die Einbindung von Notenbanken in die Wachstumspolitik ist, zeigt sich erneut in Japan. Trotz der jüngsten Konjunkturprogramme halten sich die dortigen Unternehmen mit Investitionen zurück. Die Bank of Japan hat den Yen geschwächt, um die Wettbewerbsfähigkeit der Exporteure zu verbessern. Dieser Zuwachs wird durch die teuren Energie- und Rohstoffimporte jedoch mehr als aufgefressen. Die Folge:

Die ohnehin schon expansive Geldpolitik soll noch großzügiger gestaltet werden.

Mit japanischen Verhältnissen sei in der Euro-Zone nicht zu rechnen, versicherte zwar EZB-Chef Draghi. Aber auch die EZB hat es bisher nicht geschafft, die Kreditklemme in Südeuropa erfolgreich zu bekämpfen.

Der Glaube an die Wirksamkeit der bislang ergriffenen Maßnahmen lässt damit zwangsläufig nach.

Da Inflation bei uns zurzeit kein Thema ist, wird die EZB geldpolitisch weiterhin aufs Gaspedal treten. Solange die Konjunktur im Euro-Raum nicht anzieht, wird sie versuchen, die Zinsen niedrig zu halten.

Mit normalen Bedingungen können Sie als Sparer deshalb so bald nicht rechnen. 

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