Sind Aktienrückkäufe wirklich immer gut für Aktionäre?

Sind Aktienrückkäufe durch Unternehmen immer wünschenswert?

Sind Aktienrückkäufe durch Unternehmen immer wünschenswert?

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“Wirtschaft-vertraulich”:

Liebe Leser,

als Aktionär kennen Sie sicher solche Situationen: Firma X kündigt einen größeren Aktienrückkauf an und der Kurs steigt. Schaut man auf die Schlagzeilen in den letzten Wochen und Monaten, sind Aktienrückkäufe derzeit wieder einmal besonders beliebt. Als aktuelle Beispiele können hier Coca-Cola, Merck und Adidas genannt werden.

Nicht wenige Investoren haben daraus schon eine eigenständige Spekulation gemacht und suchen gezielt nach Unternehmen, die Aktienrückkäufe durchführen oder solche Programme planen, um daraus Extra-Renditen durch die erwarteten Kursgewinne zu erwirtschaften.

Die Überlegung dahinter ist erst einmal simpel. Denn der Theorie nach ergibt sich der Preis (der Kurs) einer Aktie an der Börse nach Angebot und Nachfrage. Geht das Angebot zurück, muss also der Preis – bei gleichbleibenden Rahmendaten – steigen. Allerdings: Ob solche Aktienrückkäufe tatsächlich immer ein Grund zur Freude bei den Aktionären sind, steht auf einem anderen Blatt.

 

Welche Ziele verfolgt eine Firma mit Aktienrückkäufen?

Hier sollte als erstes nach dem Ziel geforscht werden, welches das Unternehmen mit einem Aktienrückkauf erreichen will. Kurz gesagt: Solche Rückkäufe sind ein effektives Instrument, um das Verhältnis von Eigen- zu Fremdkapital zu verändern. Denn durch Aufkauf und anschließender Vernichtung von Aktien reduziert sich das Eigenkapital des Konzerns.

Der Gewinn pro Aktie steigt. Aktionäre profitieren am Markt von höheren Gewinnen pro Aktie. Aktienrückkäufe können entsprechend sinnvoll sein, wenn ein Konzern unter seinem Substanzwert gehandelt wird.

Problematisch werden Rückkäufe dagegen, wenn die Aktien des Unternehmens bereits überbewertet sind. So sind Aktienrückkäufe nach Meinung der Investment-Legende Warren Buffett oft nur ein Mittel des Managements, um die Kurse weiter anzutreiben.

 

Aktienrückkäufe: Warnsignal für weiteres Firmen-Wachstum

Und noch zwei weitere kritische Aspekte können bei Aktienrückkäufen Einfluss nehmen. Denn womöglich kassieren die Vorstände Vergütungskomponenten, die an die Kursentwicklung gebunden sind. Deshalb könnten solche Rückkauf-Programme durch das Management einzig durch den Blick auf die eigene Brieftasche induziert sein.

Und als zweiter Aspekt: Aktienrückkäufe können auch ein Signal sein, dass das betreffende Unternehmen keine sinnvolleren Verwendungsmöglichkeiten für sein Geld – sprich Investitionen oder Übernahmen – findet. Doch kann so etwas auch als Warnsignal gelten, dass hier zukünftig mit den Wachstumsaussichten einiges im Argen liegt.

Als Aktionäre sollten Sie deshalb stets hinterfragen, warum ein Unternehmen Aktien zurückkauft. Um überschüssiges Kapital an die Aktionäre zurückzuführen, kann dieser Schritt durchaus geeignet sein, sollte aber unter dem Blickwinkel alternativer Investitionsmöglichkeiten des Cash-Bestandes kritisch beurteilt werden.

 

Strohfeuer vs. nachhaltige Kursentwicklung

Andere Absichten dürften dagegen Konzerne verfolgen, die für Rückkäufe beträchtliche Schulden machen. Sie pumpen dadurch die Eigenkapitalrenditen und die Gewinne je Aktie auf, schaffen aber keinen Wert. Hier könnten Aktienrückkäufe letztlich nur eine negative Entwicklung kaschieren, die am Ende den Aktienerfolg wieder zunichte macht.

Deshalb gilt die Empfehlung: Reagieren Sie nicht blind positiv auf Aktienrückkäufe, sondern schauen Sie sich immer auch das fundamentale Umfeld der Firma an. So können Sie dann letztlich besser beurteilen, ob hier im Kurs nur ein Strohfeuer entfacht werden soll oder die Chance auf eine nachhaltige positive Kursentwicklung besteht.

Mit besten Grüßen

Ihr Redaktionsteam „Wirtschaft-Vertraulich“, aus der Redaktion des Deutschen Wirtschaftsbriefs

Bildnachweis: Gevestor

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