Neue Börsenwoche: Weiche Politik vs. harte Fakten

Was die Märkte in dieser Woche umtreibt

Was die Märkte in dieser Woche umtreibt

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“Wirtschaft-vertraulich”:

Liebe Leser,

als Investoren müssen Sie derzeit zwei Themen besonders im Auge behalten. Zum einen geht es natürlich weiterhin darum, ob Griechenland nun zahlungsunfähig wird, im Euro-Raum bleibt oder am Ende ausscheiden muss.

Während dieses Thema vor allem politisch dominiert ist, geht es beim zweiten Thema um handfeste Fakten. Denn in dieser Woche wird es nicht nur die erste Schätzung für das Wirtschaftswachstum in den USA geben, sondern auch aus Europa kommen erste diesbezügliche Zahlen auf den Tisch.

Hinsichtlich der Griechenland-Frage haben die letzten Tage einen wichtigen Einblick in die Stimmungslage der Euro-Gläubiger, von IWF und EZB gebracht. Denn die Frustration über die Verzögerungstaktik der Griechen ist überall mit Händen greifbar und wird inzwischen auch verbal formuliert.

 

Griechenland: Euro-Gläubiger stecken in einem Dilemma

Dennoch: Während im Markt die Wahrscheinlichkeit eines Staatsbankrotts Griechenlands schon mit 75% innerhalb der nächsten 12 Monate angegeben wird, liegt die Prognose für einen Euro-Austritt immer noch nur bei 30%. Und damit dürfte das Dilemma der Euro-Politik sehr gut widergespiegelt werden.

Denn dieses lautet: Wie können wir Hellas im Euro halten, obwohl das Land zahlungsunfähig ist? Denn bei aller Rhetorik: Die Risiken eines Grexit bleiben unkalkulierbar, zumindest will kaum ein Politiker dieses Risiko tatsächlich eingehen. So wundert es auch nicht, dass inzwischen in den Finanzmedien schon ein anderes Wort die Runde macht, das Sie sich merken sollten: Grimbo.

Es ist zusammengesetzt aus dem Wort Griechenland und Limbo. Letzteres eine Ableitung von Limbus, was in der katholischen Lehre eine Art Vorhof zur Hölle bezeichnet. Es geht letztlich darum, dass sich die Politik weiter um eine Entscheidung herumdrücken wird und der aktuelle Schwebezustand zwischen Fast-Pleite und Fast-Rettung erhalten bleiben wird.

 

Fakten, Fakten…: Blick auf das Wirtschaftswachstum in den USA

Da sind uns die anderen Themen der Woche lieber, denn sie bieten handfestes. So soll in den USA die erste Schätzung für das Wirtschaftswachstum im 1. Quartal veröffentlicht werden. Mit geschätzten plus 1% ist ein deutlicher Rückgang zum 4. Quartal (plus 2,2%) zu erwarten, was in der Hauptsache an den Wettereinflüssen liegen dürfte.

So jedenfalls ist das Erklärungsmuster für das schwache Abscheiden zu erwarten. Deshalb ist auch nicht damit zu rechnen, dass die US-Notenbank am Mittwoch auf ihrer nächsten Sitzung hinsichtlich der anstehenden Zinswende zu forsch handeln wird. Es dürfte eher ein Non-Event ohne neuen Erkenntnis-Gewinn werden.

 

Europa: Kann sich die Euro-Peripherie weiter freischwimmen?

Für Europa sollten Sie sich dann noch auf einige interessante Kennzahlen einstellen. Denn sowohl Österreich als auch Belgien und Spanien liefern ebenfalls erste Prognosen für das Wirtschaftswachstum im 1. Quartal ab. Wobei besonders Spanien interessant werden dürfte. Denn hier wird nach plus 0,7% im 4. Quartal nun plus 0,8% erwartet.

Was bestätigen würde, dass Spanien – und damit womöglich auch andere Euro-Peripherieländer – nachhaltig auf Wachstum umgeschaltet haben. Und damit auch unbeeindruckter von einer möglichen Griechenland-Pleite wären.

Unser Fazit für Sie: Nachdem der Markt in den letzten Tagen konsolidiert hatte, könnten solche positiven Zahlen dafür sorgen, dass es wieder aufwärts geht. Warten Sie aber erst einmal den Wochenauftakt ab, ehe Sie aktiv werden.

Mit besten Grüßen

Ihr Redaktionsteam „Wirtschaft-Vertraulich“, aus der Redaktion des Deutschen Wirtschaftsbriefs

Bildnachweis: Gevestor

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