Nach wie vor ist die Verunsicherung groß, wie es mit dem Euro weitergeht

Nach wie vor ist die Verunsicherung groß, wie es mit dem Euro weitergeht

Es ist nicht auszuschließen, dass die Schuldenkrise zur Währungskrise wird. Die Märkte setzen die Politiker unter Druck, endlich entschlossen zu handeln. Tun sie das nicht, laufen sie Gefahr, dass sich die Krise noch Jahre hinzieht.

Dennoch wird der Euro nicht einfach von heute auf morgen kollabieren.

Kein anderes Zahlungsmittel kann ihn aus dem Stand ersetzen.

Gelingt es der Europäischen Zentralbank, unabhängig zu bleiben, wird das auf den Euro positiv wirken. Wichtig wird auch, was zur Bekämpfung der Inflation geschieht. Aktuell zeigt der Teuerungstrend nach oben. 3 % zum Jahresende 2011 sind durchaus realistisch. Die D-Mark hat ganz andere Inflationsraten verkraftet.

Zwischen 6 und 8 % lag sie in der Ära von Bundeskanzler Schmidt.

Andererseits ist aber auch denkbar, dass sich das Thema Inflation schon bald sozusagen von selbst erledigt. Der Auslöser könnte in den Schwellenländern liegen, die unter besonders starker Geldentwertung leiden. Ziehen dortige Notenbanken die Notbremse, könnte es mit dem erwarteten Wirtschaftswachstum vorbei sein.

Die Rohstoffpreise würden fallen. An die Stelle von Inflationsangst träten dann wieder Konjunktursorgen. 

Ich kann Ihnen deshalb nur raten, bei Anlageentscheidungen nicht auf ein bestimmtes Szenario zu setzen. Wenn fast alle überzeugt sind, dass es nur in eine Richtung gehen kann, kommt es häufig ganz anders. Wie sich der Euro langfristig behauptet, bleibt abzuwarten. Irgendwie wird es aber zunächst weitergehen.

Gerüchte, dass bereits wieder D-Mark-Noten gedruckt werden, sind jedenfalls dummes Zeug.  

Für nicht entschieden halte ich zudem die Frage, wie sich der Goldpreis langfristig entwickeln wird. Aktuell sind es vor allem Chinesen, die wie wild Goldmünzen und -barren kaufen. Das treibt den Preis. Gold ist wie eine Religion, hatte ich vor einiger Zeit geschrieben. Die Mehrzahl der Analysten glaubt daran.

Ich rechne mit sinkender Nachfrage, wenn die Zinsen steigen und der US-Dollar noch stärker wird.

Im Dezember und Januar hatte ich Ihnen geraten, beim Gold vorsorglich Kasse zu machen. Und siehe da: In der vergangenen Woche wurde bekannt, dass sich der Milliardär George Soros von Gold getrennt hat.

Sollte ich mich beim Gold getäuscht haben, befinde ich mich also zumindest in bester Gesellschaft. 

(Der Deutsche Wirtschaftsbrief 21/2011)

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