Kunden von Lebensversicherungen drohen neue Risiken

© somenski / Fotolia.com

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“Wirtschaft-vertraulich”:

Liebe Leser,

Sie hören es nahezu jeden Tag von Politikern: Sie müssen sich auch selbst um Ihre Altersvorsorge kümmern. Doch die Praxis zeigt vielfach, dass das nicht nur angesichts der Fülle an Angeboten – die meisten nicht mal halten, was sie versprechen – schwierig ist. Hinzu kommt, dass immer mehr Anbieter versuchen, aus diesem Geschäft herauszukommen, weil in Zeiten ultratiefer Zinsen hier nichts mehr zu verdienen gibt.

Leidtragende sind Sie als Kunde. Das zeigt sich auch wieder an einem besonders krassen Beispiel im Bereich Lebensversicherungen. Die Ankündigung las sich dabei zuerst eher harmlos. Kürzlich hat ERGO, eine Tochter der Munich Re, bekannt gegeben, sich aus dem Geschäft mit Lebensversicherungen zurückzuziehen.

 

Versicherer schieben Kunden ab

Die Folge für Sie als ERGO-Kunde: Sie müssen sich damit anfreunden, dass die Heidelberger Leben Ihre Verträge weiterbetreut. Das ist eine Plattform, die sich um Altbestände von Lebensversicherern kümmert und sie verwaltet.

Zur Beruhigung: Selbst wenn Sie Kunde der ERGO sind, droht noch keine unmittelbare Ausfallgefahr für Ihren Vertrag. Dennoch zeigt die Branche ihren Kunden offensichtlich immer deutlicher die kalte Schulter. Das bedeutet: Die Lebensversicherer schränken ihre Anstrengungen im Anlagebereich weiter ein – und das zu Ihren Lasten.

 

Immer schlechtere Finanzkennzahlen

Dennoch verweisen wir explizit auf ein generell steigendes Risiko bei Lebensversicherern. Denn für erste Lebensversicherer scheint die Finanzlage zunehmend problematischer zu werden. Der Hintergrund: Um trotz Minizinsen ihre Garantiezusagen einhalten zu können, müssen die Anbieter hohe Reserven bilden. Gleichzeitig schmelzen die Gewinne. Das wiederum bedeutet weniger Geld, das zurückgestellt werden kann. Ein sprichwörtlicher Teufelskreis.

In den Blickpunkt für die Beurteilung von Versicherern rückt damit die sogenannte Solvabilitätsquote, die wichtigste Kennziffer für die Finanzkraft. Dahinter verbirgt sich das Verhältnis zwischen Eigenkapital und risikogewichteten Kapitalanlagen der Versicherer. Dabei gilt: Je höher die Quote, desto besser, um den Anforderungen aus Versicherungsverträgen nahkommen zu können. Sinkt diese Quote unter 100%, schlägt die Finanzaufsicht BaFin Alarm.

 

Tops und Flops der Lebensversicherer

Wie dünn die Kapitaldecke geworden ist, zeigt eine Analyse des Branchendienstes Map-Report für 2015. Am schlechtesten steht danach die zum Generali-Konzern gehörende AachenMünchener mit 108% da. Es folgen die VPV und Cosmos mit je 120%. Bei der SV Sachsen beträgt die Quote laut Map 128%. Süddeutsche und Generali bringen es immerhin noch auf 135%.

Der in puncto Solvabilitätsquote am besten gerüstete Versicherer ist Direkte Leben mit 299%. Es folgen: Vorsorge mit 290, Mecklenburgische mit 278, HUK-Coburg mit 258% und HanseMerkur24 mit 250%. Der Branchenprimus Allianz liegt mit einer Quote von 163% im Mittelfeld der untersuchten Anbieter.

Für Sie als Kunde heißt das: Ganz abgesehen davon, dass wir Lebensversicherungen zur Altersvorsorge grundsätzlich wegen der niedrigen Zinsen nicht mehr empfehlen, so sollten Sie bei der Auswahl des Anbieters nicht nur auf die direkten Konditionen achten, sondern sich eben auch mindestens über Solvabilität des Anbieters informieren, um nicht zusätzliche Risiken aufzubauen.

Mit besten Grüßen

Ihr Redaktionsteam „Wirtschaft-Vertraulich“, aus der Redaktion des Deutschen Wirtschaftsbriefs

 

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