Kommen jetzt Weichenstellungen für die amerikanische Zinswende?

© Gina Sanders / Fotolia.com

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“Wirtschaft-vertraulich”:

Liebe Leser,

auch wenn schon viele professionelle Akteure an den Finanzmärkten in den Sommerurlaub gegangen sind, so stehen den Verbliebenen und auch Ihnen als Anleger eine recht betriebsame Woche bevor. Wobei es nicht nur um einen prall gefüllten Terminkalender bei der laufenden Quartalsberichtssaison geht, sondern auch um wichtige Konjunkturdaten diesseits und jenseits des Atlantiks.

Im Zentrum des Geschehens steht dabei die am Donnerstag zu veröffentlichende Erst-Einschätzung des Wirtschaftswachstums in den USA im 2. Quartal. Dabei geht es um zwei Aspekte, welche die Geldpolitik in den nächsten Monaten entscheidend beeinflussen könnten.

 

Was bei den neuen BIP-Zahlen aus USA besonders interessiert

Denn einerseits sind die Investoren und Analysten brennend daran interessiert zu erfahren, wie stark die von allen erwartete konjunkturelle Gegenbewegung im 2. Quartal ausgefallen ist.

Zur Erinnerung: Die US-Wirtschaft hatte im Auftaktquartal als letzten Wert eine Schrumpfung um 0,2% verbuchen müssen. Ein Grund, warum die US-Notenbank Fed am Ende eine erste Zinsanhebung schon im Sommer absagte.

Geht es nach den allgemeinen Prognosen im Markt, könnte das BIP-Wachstum nun satte 2,5% betragen haben, Ganz optimistisch eingestellte Analysten wie z. B. von der österreichischen Raiffeisenbank halten sogar Steigerungsraten von bis zu 3,2% für möglich.

 

Revisionen als Zünglein an der Waage?

Als zweiter richtungsweisender Aspekt gelten aber auch die ebenfalls erwarteten Revisionen der BIP-Zahlen aus den letzten drei Jahren. Ob es Revisionen gab und wie stark diese ausfielen, muss zwar abgewartet werden, da es keine offiziellen Schätzungen gibt.

Aber wenn es neben den erwarteten starken Wachstumsraten für das 2. Quartal auch eine Aufwärtsrevision, insbesondere für das Winterhalbjahr 2014/15, gäbe, wäre dies eine gute Steilvorlage für die Fed, um im September einen ersten Zinsschritt zu vollziehen.

 

Nachweis gefragt: Funktioniert doch die Austeritätspolitik?

Mit solchen Fragen müssen sich die Europäer noch nicht wieder rumschlagen. Auf dem „alten“ Kontinent ist die Geldpolitik weiterhin voll auf Expansion ausgerichtet, weil sonst das Kartenhaus Euro-Zone gänzlich zusammenbrechen würde. Dennoch spielt auch in Europa das Thema Wirtschaftswachstum in dieser Woche eine große Rolle. Denn aus Österreich, Belgien und Spanien gibt es ebenfalls BIP-Zahlen zum 2. Quartal.

Wobei der Markt besonders auf Spanien schauen dürfte. Denn Spanien gilt nun mal derzeit als Synonym, ob die in den meisten Euro-Peripherieländern implementierte Spar- und Reformpolitik der letzten Jahre am Ende doch zu neuem Wachstum führen kann. Im 1. Quartal hatte Spanien mit einem Zuwachs um 0,9% positiv überraschen können.

Eine Fortsetzung würde den Druck auf die gesamte Peripherie verringern, nachdem im Zuge der verschärften Griechenland.-Krise wieder von möglichen Ansteckungsgefahren geredet worden war.

 

Füße stillhalten

Fazit für Sie: Es ist wohl ratsam, bei der Fülle an Konjunkturdaten und deren Gewicht etwas Zurückhaltung mit neuen Käufen zu üben. Zumal wie gesagt viele Unternehmen in dieser Woche berichten, was zu erhöhten Schwankungen im Markt führen kann. Sollten Firmen allerdings positiv überzeugen können, wären auch selektive Käufe möglich.

Mit besten Grüßen

Ihr Redaktionsteam „Wirtschaft-Vertraulich“, aus der Redaktion des Deutschen Wirtschaftsbriefs

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