Können neue Börsengänge dem DAX helfen?

© ChaotiC_PhotographY / Fotolia.com

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“Wirtschaft-vertraulich”:

Liebe Leser,

die amerikanische Notenbank Fed hat in der vergangenen Woche fast schon erwartungsgemäß die Zinsen auf dem bisherigen Rekordtief belassen. Doch die positive Reaktion an der Börse war nur von kurzer Dauer. Denn die begleitenden Worte mit Hinweis auf die schwierige globale Lage haben dazu geführt, dass die Fed die Verunsicherung der Märkte über die weitere Geldpolitik nur in die Verlängerung geschickt hat.

Die Quittung wurde Ihnen als Anleger bereits am Freitag überreicht, als der DAX wieder einmal in die Knie ging und sich unter 10.000 Punkte ins Wochenende verabschiedete.

Umso überraschender war dann auch das, was Sie in den vergangenen Tagen und auch zum aktuellen Wochenauftakt aus dem Unternehmensumfeld zu hören bekamen. Denn dort scheinen sich nun doch mehrere Firmen aufs Börsenparkett drängeln zu wollen. Und nicht irgendwelche No-Names, sondern echte Schwergewichte.

 

Wer alles an die Börse drängt

Den Anfang will dabei Scout24 machen, die unter anderem die beiden Internetportale Immobilienscout24 und Autoscout24 verantwortet. Schon am Donnerstag in einer Woche sollen die neuen Aktien an der Börse notiert werden und das Unternehmen hofft, Aktien im Wert von bis zu 1,4 Mrd. Euro platzieren zu können.

Nur einen Tag später versucht sich nach aktuellem Nachrichtenstand Covestro. Dahinter verbirgt sich die ehemalige Kunststoff-Sparte von Bayer, die mit einem erwarteten Platzierungsvolumen von 2,5 Mrd. Euro ins Rennen geht. Aufgrund dieser Größenordnung wird Covestro auch schon als potenzieller DAX-Kandidat gehandelt.

Und es gibt noch ein drittes Schwergewicht im Bunde. Denn auch der Autozulieferer Schaeffler hat nach Monaten voller Spekulationen die Karten aufgedeckt und will nun rund ein Viertel seiner Aktien an der Börse notieren lassen. Zu welchem Preis und Termin ist allerdings noch unbekannt.

 

Warum die Fülle an hochkarätigen Neuemissionen?

Die Frage, die sich stellt: Warum solche Fülle an IPO-Plänen? Schließlich ist der deutsche Aktienmarkt nicht gerade dafür bekannt, dass er hinsichtlich Neuemissionen besonders aktiv ist. Die Antwort darauf dürfte wohl sehr profan sein und Sie entsprechend wohl auch etwas überraschen.

Denn die Unternehmen haben für gelungene Börsengänge meist nur wenige Zeitfenster im Jahr zur Verfügung. Im Sommer lohnt es nicht, weil zu viele Marktteilnehmer im Urlaub sind. Weihnachten und Jahreswechsel sind auch ungünstig, so bleibt in der Regel nur das Frühjahr und der Herbst und dann auch nur in zeitlicher Nähe zu aktuellen Quartalszahlen.

Was natürlich für die Unternehmen ein besonderes Risiko bedeutet. Denn wenn die Marktlage schwierig ist, laufen sie Gefahr, ihre Aktien nicht oder nur zu geringeren Preisen loszuwerden. Diese Situation haben wir jetzt. Doch dürfte hier auch die Sorge bei den Firmen umgehen, dass ein weiteres Abwarten die Konditionen nur noch weiter verschlechtert.

 

Riskantes Börsenumfeld kann für Anfangsverluste sorgen

Das Problem für Sie als Anleger: Aus solch einem Ansatz kann keine positive Erwartung für den Aktienkurs entstehen, zumindest nicht kurzfristig. Und solche Neuemissionen sind in der Regel auch nicht dazu geeignet, um dem Gesamtmarkt wieder auf die Beine zu helfen.

Fazit: Auch wenn die neuen Börsenaspiranten aufgrund ihres Geschäftsmodells langfristig interessant sind, sollten gerade Sie als Privatanleger erst einmal Zurückhaltung üben. Zwar läuft man sicher Gefahr, dass die Kurse nach der Platzierung steigen. Doch lieber jetzt auf einige Prozentpunkte verzichten, als bei einem Schnellschuss frühzeitig in der Verlustzone festzustecken.

Mit besten Grüßen

Ihr Redaktionsteam „Wirtschaft-Vertraulich“, aus der Redaktion des Deutschen Wirtschaftsbriefs

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