Grundsatzfrage: Fällt der DAX in ein Sommerloch?

© ChaotiC_PhotographY / Fotolia.com

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“Wirtschaft-vertraulich”:

Liebe Leser,

der Freitaghandel an der Börse hatte den Investoren ein dickes Ei ins Nest gelegt. Denn fast ansatzlos gaben die Indizes auf breiter Front nach, was vor allem im Zusammenhang mit schwachen Arbeitsmarktdaten aus den USA gesehen werden kann, was auch Einfluss auf die dortigen Zinsspekulationen hatte.

Für den deutschen Leitindex DAX wird es nun brandgefährlich. Denn mit dem kleinen Sell-off am Freitag hat er nun aus charttechnischer Sicht ein so genanntes Gap nach unten hin geschlossen. Falls Sie als Anleger noch nicht so vertraut mit dieser Materie sind:

 

DAX: Charttechnik wird gefährlich

Gaps werden Kurssprünge nach oben oder unten genannt, wo zwischen zwei Tagen der jeweilige Eröffnungskurs bzw. Tiefstkurs des Folgetages mehr oder weniger deutlich über/unter dem Schlusskurs / Höchstkurs des Vortages liegt. In der Theorie der Börsianer müssen solche Gaps irgendwann einmal geschlossen werden.

Für den DAX waren hier der 24. und 25. Mai auschlaggebend. Mit der freitäglichen Abwärtsbewegung wurde die damals aufgetane Lücke nun geschlossen, was aber noch weitere Brisanz erhält. Denn der DAX fiel damit auch auf den gleitenden Durchschnitt der letzten 38 Tage zurück. Eine Signallinie, die als Widerstand oder – wie im aktuellen Fall – als Unterstützung fungieren kann und die kurzfristige Tendenz beeinflusst.

Das Risiko: Sollte der DAX nun unter diese Linie fallen, könnte sich eine ausgeprägtere Schwächephase anschließen, die den DAX erneut unter die 10.000-Punkte-Marke führt. Was angesichts der aktuellen Ereignisse und Erwartungen ja auch nicht auszuschließen ist. Wobei hier weiterhin zwei Themen ganz oben auf der Agenda stehen.

 

Gehen der EZB die Ideen aus?

Zum einen zeigten sich etliche Börsianer von der jüngsten EZB-Sitzung überrascht, wo die Statements zur weiteren Geldpolitik vielen als besonders „taubenhaft“, sprich auf weitere Lockerungen ausgerichtet, erschienen. Was so interpretiert wird, dass die EZB-Leute derzeit sehr unzufrieden sind, wie die massive Liquidität, die sie in den Markt pumpen, auf Wachstum und Inflation wirkt.

Was in normalen Zeiten als eher positives Signal hin zu weiteren Lockerungen gesehen würde, ist nun angesichts der schon vorherrschenden ultralockeren Geldpolitik eher ein Warnsignal, dass die Maßnahmen der EZB schlicht nicht wirken. So fürchten die Anleger, dass die Zentralbank am Ende ihres Lateins sein könnte.

 

Machen Sie Ihr Depot Brexit-fest

Das zweite große Thema, dass den Markt in den kommenden Tagen immer mehr beherrschen wird, ist die anstehende Abstimmung über einen Austritt Großbritanniens aus der EU, sprich den Brexit. Auch wenn in jüngsten Umfragen die Befürworter eines EU-Verbleibes zulegen konnten, so bleibt es wohl bis zur Abstimmung ein Ritt auf Messers Schneide. Dass in solch einem Umfeld kaum jemand längerfristig investieren will, versteht sich.

Unser Fazit deshalb: Aktionismus ist nicht notwendig, doch sollten Sie bei Ihren Investitionsentscheidungen zunehmend defensiver vorgehen und alle Engagements weiterhin absichern. Es schadet dabei auch nichts, bei besonders guten Gewinnern auch einige Gewinne mitzunehmen und die eigene Liquidität im Depot aufzubauen. Spätestens nachdem 23. Juni werden die Karten so oder so neu gemischt.

Mit besten Grüßen

Ihr Redaktionsteam „Wirtschaft-Vertraulich“, aus der Redaktion des Deutschen Wirtschaftsbriefs

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