Greift die EZB erneut in die Trickkiste?

Wie kann die EZB die Banken zwingen, die zusätzliche Liquidität auch wirklich zu nutzen?

Wie kann die EZB die Banken zwingen, die zusätzliche Liquidität auch wirklich zu nutzen?

Aus dem aktuellen kostenlosen Newsletter

“Wirtschaft-vertraulich”:

Liebe Leser,

als Anleger werden Sie im neuen Monat März eine Premiere erleben. Denn erstmals in der –noch kurzen – Geschichte der Europäischen Zentralbank wird diese offiziell zum Konjunktur- und Staatenfinanzierer. Das Stichwort lautet Quantitative Easing und bezeichnet den geplanten Kauf von Staats- und Unternehmensanleihen.

Geplant ist dabei ein monatliches Volumen von 60 Mrd. Euro, wobei das aktuelle Programm bis September 2016 laufen soll. Insgesamt werden also, wenn alles nach Plan läuft, deutlich mehr als 1 Bio. Euro in den Markt gespült. Die dann in eine stärkere Kreditvergabe durch die Banken investiert werden sollen, um sowohl Inflation als auch Konjunktur anzuheizen.

Das ist aber der Knackpunkt. Denn die bisherigen Erfahrungen aus Amerika mit Anleihenkäufen durch die Notenbank Fed hatten gezeigt, dass ein signifikanter Teil des Geldes in die Kapitalmärkte geflossen ist. Rekordstände bei den Aktienindizes und rekordtiefe Renditen bei Staatsanleihen waren der Beweis. Also fürchtet die EZB, dass das auch in der Euro-Zone passieren könnte. Die bisherigen Kursgewinne quasi als Vorfreude auf das neue Programm legen die Vermutung nahe, dass die Furcht durchaus begründet ist.

 

Laufen die Anleihenkäufe der EZB ins Leere?

Hinzu kommt: Seit einigen Wochen wird darüber diskutiert, ob das Anleihenkauf-Programm der EZB ins Leere laufen könnte, weil schlicht keiner verkaufen will. Mit „keiner“ sind dabei die Banken gemeint, die immer noch mehr auf Euro-Staatsanleihen setzen, weil sie dafür in den Bilanzen weiterhin keine besondere Risikovorsorge treffen müssen. Es wird also spannend, ob die EZB überhaupt ihr angepeiltes Kaufvolumen ab diesem Monat schaffen wird.

Ein Signal, dass sich die EZB nicht darauf verlassen will, könnte die in dieser Woche angesetzte Sitzung des EZB-Rates liefern. Auf der Sitzung stehen zwei Entscheidungen auf der Tagesordnung: Zum einen über den Leitzins, den so genannten Refinanzierung-Satz, zum anderen über den Einlagenzins. Grob gesprochen können sich Banken zum Refinanzierungssatz bei der EZB Geld leihen und zum Einlagensatz überschüssige Gelder parken.

 

Wie kann die EZB die Banken zwingen, das zur Verfügung gestellte Geld auch zu nutzen?

Während der Leitzins mit 0,05% wohl unverändert bleiben wird, wird um den Einlagensatz schon etwas stärker diskutiert. Dieser liegt bereits bei minus 0,20%, doch es ist nicht ausgeschlossen, dass die EZB hier die Zügel noch einmal straffer zieht und ihn weiter senkt. Quasi als Signal an die Banken, dass sie keine Spielchen mit der üppig zur Verfügung gestellten Liquidität duldet. Kurz gesagt: die Banken sollen verleihen und nicht parken.

Fazit: Da der Markt damit rechnet, dass die EZB ihre ultra-lockere Geldpolitik weiter fortführt und nun auch der neuste praktische Teil (die Anleihenkäufe) Wirkung entfalten könnte, sieht alles nach weiteren Kursgewinnen aus. Aufgrund der schon hohen Bewertungsniveaus sollten Sie aber bei Ihren Investitionen weiterhin auf entsprechende Absicherungen – z. B. durch Stopp-Loss – achten.

Mit besten Grüßen

Ihr Redaktionsteam „Wirtschaft-Vertraulich“, aus der Redaktion des Deutschen Wirtschaftsbriefs

Bildnachweis: Gevestor

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