Geldpolitik: Machen Sie Ihre eigene Unabhängigkeits-Erklärung

© jochenL.E. / Fotolia.com

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“Wirtschaft-vertraulich”:

Liebe Leser,

heute schaut die halbe Börsenwelt nach Frankfurt. Denn ab Mittag tritt der Rat der Europäischen Zentralbank zusammen, also der innerste Zirkel, der auch über die Geldpolitik entscheidet. Und er hat viel zu bereden: Die China-Turbulenzen, das Auf und Ab beim Rohöl und die jüngste Aufwertung des Euro hinterlassen bei den Währungshütern sicher Sorgenfalten. Denn damit könnte unter Umständen ihr bisheriger Fahrplan zur Wirtschafts-Stimulierung gefährdet werden.

Deshalb auch die Vermutung – besser Hoffnung – im Markt, dass EZB-Chef Mario Draghi nach der Sitzung dazu einiges sagt. So setzen viele Börsianer darauf, dass er zumindest droht, dass die EZB weitere Liquiditätsmaßnahmen einführt. Das allein könnte schon dafür sorgen, dass der Euro wieder schwächer wird und die Aktienkurse wieder stärker werden.

 

Viele Mittelständler fühlen sich allein gelassen

Doch das Grundproblem wird wohl nach dieser Sitzung bleiben. Denn seit Jahr und Tag ist die EZB-Geldpolitik vordergründig auf das Wohl der Finanzmärkte und Banken ausgerichtet. Es ist im Grunde nicht gänzlich falsch, dass nur ein gesundes Finanzsystem der Volkswirtschaft vorwärts hilft. Dennoch fühlen sich viele Unternehmer, besonders im Mittelstand, eher allein gelassen. Deshalb gilt:

Machen Sie sich als Unternehmer unabhängiger von den Entscheidungen der Zentralbank. Natürlich laufen alle Maßnahmen der EZB darauf hinaus, den Banken Liquidität auf Kreditbasis zur Verfügung zu stellen, damit diese an die Kunden weitergereicht wird. Doch es ist nun einmal so, dass die Kredite im Endeffekt nur über die Erlöse der Realwirtschaft bedient werden können. Das heißt:

 

Hüten Sie sich vor Fehlplanungen

Das Geld, das dafür erforderlich ist, müssen Sie und die anderen Unternehmer erst einmal erwirtschaften. Wobei die Niedrigstzinsen auch Fehlanreize setzen können. Sie verleiten zu Investitionen, die normalerweise vielleicht gar nicht getätigt würden. Steigt dann das Zinsniveau, wird nicht nur die eigene Finanzierung teurer, sondern auch die Zulieferpreise.

Auf diese Herausforderungen sollten Sie allein schon damit reagieren, indem Sie sich von der Geldpolitik unabhängiger machen. In der Praxis heißt das beispielsweise: Treten Sie noch als Einzelunternehmer auf, sollten Sie über einen Rechtsformwechsel nachdenken. So beschränken Sie Ihre Haftung. Banken dürfen zwar auch dann eine persönliche Bürgschaft einfordern. Andererseits haben Sie es im Geschäftsleben ja nicht ausschließlich mit Geldhäusern zu tun.

 

Eigenkapital ist Trumpf

Ein weiterer Rat: Erhöhen Sie, wenn immer möglich, die Eigenkapitalquote. Dadurch stärken Sie Ihre eigene Souveränität. Und Sie kommen eventuell auch leichter und billiger an Fremdkapital.

Unterhalten Sie auch mindestens zwei Bankverbindungen. Das verhindert eine einseitige Abhängigkeit. Zudem sollten Sie nach Möglichkeit Förderkredite nutzen. Diese sind nicht nur günstig, sondern bieten Ihnen durch langfristige Zinsbindungen einen weiteren Vorteil.

Mit besten Grüßen

Ihr Redaktionsteam „Wirtschaft-Vertraulich“, aus der Redaktion des Deutschen Wirtschaftsbriefs

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