Die Griechen haben gewählt: Was nun?

Nach der Wahl: Vor dem Schuldenschnitt?

Nach der Wahl: Vor dem Schuldenschnitt?

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“Wirtschaft-vertraulich”:

 

Liebe Leser,

vielleicht haben Sie gestern Abend genau wie ich gespannt auf 18.00 Uhr gewartet, als die ersten Hochrechnungen aus Griechenland von der dort stattgefundenen Parlamentswahl herauskamen. Was dann als Ergebnis sichtbar wurde, hat eigentlich nicht überrascht.

Erstaunlich war allerdings schon die Eindeutigkeit, mit der die radikal-linke Protestpartei Syriza die Wahl gewonnen hat. Nach aktuellem Kenntnisstand hat sie dabei nur knapp die absolute Mehrheit verpasst.

Ein bis zwei mögliche Koalitionspartner stehen schon bereit. Damit ist das Risiko, dass Griechenland nun wegen mangelnder stabiler Mehrheiten von einer Wahl zur nächsten taumelt und damit eine politisch undurchsichtige Lage entsteht, erst einmal vom Tisch. Dennoch ist das für das restliche Europa bzw. die Eurozone keine gute Nachricht.

 

Neue Verhandlungen auf dem Rücken der Steuerzahler

Denn durch den haushohen Wahlsieg dürften Syriza und ihr Frontmann Alexis Tsipras wohl mit viel (zu viel?) Selbstbewusstsein in die immer wieder als Ziel genannten neuen Verhandlungen mit den bisherigen Geldgebern Griechenlands gehen. Und ich liege wohl nicht so falsch mit der Prognose, dass Syriza am Ende wenigstens einen deutlich besseren Deal für Griechenland aushandeln wird.

Zwar lehnen die Euro-Politiker dies momentan noch vehement ab. Denn man hat Angst, damit auch in anderen Peripherieländern die Reformgegner zu stärken. Schließlich sind in Ländern wie Spanien mit einer ebenso starken neuen Protestpartei auch noch in diesem Jahr Wahlen. Am Ende wird es aber wohl dann doch einen faulen Kompromiss geben, der nur einen Verlierer kennt: Den europäischen Steuerzahler, der bislang den maroden griechischen Staatshaushalt alimentiert.

 

Börse gibt sich noch unbeeindruckt

Am europäischen Kapitalmarkt sind die Reaktionen auf das Wahlergebnis und die daraus resultierenden Perspektiven relativ überschaubar. Der Euro mausert sich immer mehr zur Weichwährung, weil es kein politisches und ökonomisches Konzept gibt, während die EZB mit ihren Ankündigungen in der Vorwoche für die nächsten knapp 2 Jahre dafür sorgen wird, dass stetig neue Liquidität in den Markt fließt.

Bei den Aktien bringt der Wahlsieg von Syriza momentan keinen Abbruch der Kauflaune. Denn natürlich hofft man eben, dass die EZB-Maßnahmen den Kaufdruck am Markt aufrechterhalten. Interessant dürfte es also vor allem bei den Anleihen werden. Denn das Risiko, dass nicht nur Griechenland, sondern auch andere Peripherieländer eine deutliche Verbesserung der Schuldenbedingungen erreichen können, dürfte die Renditen von Staatsanleihen aus diesen Ländern wieder steigen lassen. Was andersherum ja Kursverluste bedeutet. Allerdings wohl in überschaubarem Rahmen. Auch diese Einschätzung mit Hinweis auf die EZB.

Fazit: Den Wahlsieg von Syriza hat die Börse schon längst eingepreist. Man rechnet nun damit, dass die neue Regierung schnell vom Wahlkampf-Getöse abrückt und pragmatische Lösungen sucht. Damit sollte vorerst die gute Stimmung am Aktienmarkt erhalten bleiben, was weitere Käufe nahelegt.

Mit besten Grüßen

Ihr Redaktionsteam „Wirtschaft-Vertraulich“, aus der Redaktion des Deutschen Wirtschaftsbriefs

Bildnachweis: Gevestor

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