Die Europäische Zentralbank ist jetzt unter erheblichen Druck geraten

Die Europäische Zentralbank ist jetzt unter erheblichen Druck geraten

Die Preisspitze sei lediglich vorübergehend, heißt es seitens der EZB. Steigende Energiepreise und indirekte Steuererhöhungen hätten sie verursacht. Rohstoffe seien jedoch nicht wegen der lockeren Geldpolitik teurer geworden. Der Anstieg habe ja bereits eingesetzt, bevor die EZB den Geldhahn aufdrehte. Meine Meinung dazu:

Um Ausreden ist EZB-Präsident Draghi nicht verlegen.

Dass die Bilanzsumme der Zentralbank mehr als 3 Mrd. € erreicht hat, ficht Draghi ebenfalls nicht an. Übermäßige Risiken seien darin nicht enthalten. Bundesbankpräsident Weidmann sieht das ganz anders. Fragen zu solchen Differenzen beantwortet Draghi nicht, sondern verweist auf die gebotene Diskretion.

Dennoch ist es schon längst kein Geheimnis mehr, dass die Bundesbank auf verlorenem Posten kämpft.

Weidmann ist einer der letzten Verfechter der von der Bundesbank geprägten deutschen Stabilitätskultur. Die Notenbanker in der EZB sowie in London und Washington sehen darin eher ein lästiges Übel. Fest steht: Das deutsche Bestreben nach Geldwertstabilität ist im Zentralbankrat nicht länger mehrheitsfähig.

Wird aus konjunkturellen Gründen eine höhere Inflation in Kauf genommen, ist das schlecht für Sparer.

Bleiben zugleich die Zinsen niedrig, erleiden konservative Anleger zwangsläufig einen Vermögensverlust. Jeden Abend unmittelbar vor der Tagesschau wirbt die Deutsche Bank mit 2 % Zinsen fest für zwei Jahre. Doch selbst bei Anlageformen, die steuerfrei bleiben, machen Sparer damit ein Minusgeschäft.

An den Aktienmärkten hat die aggressive Geldpolitik zum Jahresbeginn für positive Effekte gesorgt. Liquidität für das Bankensystem erzeugt jedoch weder Wachstum noch höhere Unternehmensgewinne. Wie ich Ihnen schon im Brief Nr. 9/12 schrieb, sind sogenannte Liquiditäts-Haussen ohnehin nie von Dauer.

Sie machen vielmehr süchtig. Kommt dann die Entzugsphase, werden die Börsen kräftig durchgeschüttelt.

Wie Sie wissen, bin ich trotz des Risikos von Kursrückschlägen ein klarer Befürworter von Aktien. Das gilt aber lediglich für solche Unternehmen, die ihre gute Qualität über zig Jahre bewiesen haben. Sie müssen kundenorientiert sein, funktionierende Geschäftsmodelle und entsprechende Preismacht haben.

Bei mindestens fünf Jahren Haltedauer können Ihnen kurzfristige Kursausschläge dann ziemlich egal sein. 

(Der Deutsche Wirtschaftsbrief 14/2012).

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