Die Diskussionen zur Rettung des Euro werden zunehmend kontroverser

Die Diskussionen zur Rettung des Euro werden zunehmend kontroverser

Beim Ende des Euro betrüge Deutschlands Verlustrisiko 3,3 Billionen. So der Sachverständigenrat in seinem jüngst vorgelegten Sondergutachten. Er favorisiert als Lösungsansatz einen europäischen Schuldentilgungsfonds. Zugleich warnt er vor „Schnellschüssen hin zu einer Bankenunion“.

Die Experten sind zerstritten. Die Politiker scheinen nicht mehr zu wissen, was sie jüngst beschlossen haben.

Die Bundesregierung vertritt den Standpunkt, sie habe lediglich eine europäische Bankenaufsicht befürwortet. Eine Haftungsunion für Bankschulden wird verneint. Ganz anders interpretiert das Kommissionspräsident Barroso. Seine Behörde werde Vorschläge für eine Bankenunion vorlegen, inklusive eines Einlagensicherungsfonds. Ein Bestandteil soll die EU-weit wenigstens zum Teil vergemeinschaftete Haftung sein.

Wir können derzeit nur rätseln, was bei dieser Uneinigkeit am Ende für den Euro herauskommen wird.

Immer wieder fragen mich Leser, warum es überhaupt zu den Problemen in der Euro-Zone gekommen ist. Zumindest darin sind sich die Ökonomen weitgehend einig: Es ist der Ordnungsrahmen, der nicht passt. Kein Euro-Mitgliedsland ist noch in der Lage, eine eigenständige Geldpolitik zu betreiben. Das bedeutet: Kein Land kann seine Währung abwerten oder wirtschaftliche Probleme über eine Inflationierung entschärfen.

Die Währungsunion hat folglich dazu geführt, dass es für die Staaten der Euro-Zone ein Insolvenzrisiko gibt.

Anders als die USA oder Japan können sie nicht nach Belieben so viel Geld drucken, wie sie gerade brauchen.

Ein internationaler Vergleich der Staatsverschuldung zeigt: Im Euro-Raum sieht es nicht mal schlecht aus.

So beträgt die Bruttoschuldenstandsquote in Japan 240 %. Die USA haben die 100-%-Schwelle überschritten. Ausreißer in Europa sind Griechenland (150 %) und Portugal (110 %). Spanien ist mit 80 % besser als die USA. Bei den diesjährigen Defizitquoten liegen alle Euro-Mitglieder unter dem Stand der USA und Japans.

Dennoch sind Anleihen dieser beiden Nationen gefragt. Das gilt auch für bundesdeutsche Staatsanleihen. Da deren Nominalzinsen aktuell niedriger ausfallen als die Inflationsrate, sind sie der Traum jedes Schuldners: Es wird real weniger zurückgezahlt, als ausgeliehen wurde. Anders sieht es für schwache Euro-Länder aus.

Diese können sich nur über hohe Zinsen finanzieren, weil ihr Pleiterisiko einfach zu hoch ist. 

Eine Lösung für die Euro-Krise könnte darin bestehen, Austritte aus der Währungsunion zuzulassen. Dies jedoch ist politisch nicht gewollt. Der Weg geht deshalb in Richtung Vergemeinschaftung von Risiken. Das muss nicht schlecht sein – solange es strenge Regeln, zentrale Kontrollen und Durchgriffsrechte gibt. So Bundesbankchef Weidmann. An erster Stelle müsse aber eine „vollständige Fiskalunion“ stehen. Etabliere die Politik dagegen zuvor eine gemeinsame Haftung, werde keine Stabilitätsunion erreicht.

Der Wunsch der Deutschen nach Währungsstabilität löst EU-weit nur noch Kopfschütteln aus. 

(Der Deutsche Wirtschaftsbrief 30/2012).

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