DAX: Rekorde, Rekorde! Kann das so weiter gehen?

Deutsche Aktien lassen die Muskeln spielen. Wie lange noch?

Deutsche Aktien lassen die Muskeln spielen. Wie lange noch?

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“Wirtschaft-vertraulich”:

Liebe Leser,

wir wollen Sie nicht zu lange auf die Folter spannen: Die Antwort auf die Frage in der Überschrift heißt eindeutig JA. Allerdings mit einer Einschränkung. Es ist natürlich ehernes Börsen-Gesetz, dass jeder Hausse auch mal ein Ende, zumindest ein zeitweiliges, haben muss. Denn nach langen Aufschwungsphasen in den Kursen haben sich diese oftmals von den fairen Bewertungsniveaus der Aktien bzw. der Unternehmen entfernt, was korrigiert werden muss.

Was heißt in diesem Zusammenhang „fair“? Letztlich geht es um die Bewertung, ob die Gewinnaussichten einer Firma deren Aktienkurs, meist in Relation zum umgerechneten Gewinn je Aktie rechtfertigt.

 

Was steckt hinter dem „KGV“?

Das einfachste Mittel für solch eine Bewertung dürfte Ihnen als Anleger schon begegnet sein: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis, kurz KGV. Wobei klarzustellen ist: Ein allgemeingültiges Niveau für ein faires KGV gibt es nicht.

Wachstumsstarke, meist auch junge Unternehmen können sehr hohe KGVs haben, weil die Anleger damit rechnen, dass die Gewinne in den kommenden Jahren schier explodieren. Alteingesessene Konzerne, die so genannten Blue Chips, orientieren sich dagegen eher am Marktdurchschnitt, meist ein hoher einstelliger oder niedriger zweistelliger Bereich, also oft so zwischen 8 bis 15.

Was übersetzt bedeuten würde: So viele Jahre würde eine Firma benötigen, um allein über den Gewinn je Aktie den Aktienkurs den Anlegern zurückzuzahlen. In der Praxis geschieht das zwar nicht, weil meist nur ein Teil des Gewinns über die Dividende ausgezahlt wird. Dennoch orientieren sich Analysten und Investoren lieber am KGV für die Entscheidung, ob eine Aktie teuer oder billig ist.

 

Gewinn-Bewertungen am Anschlag

Was bedeutet das für unsere aktuelle Situation? Der DAX als das wichtigste Börsenbarometer am deutschen Aktienmarkt ist mit seiner KGV-Bewertung derzeit am Anschlag. Mit rund 14,6 liegt er am obersten Ende der durchschnittlichen Bewertung der letzten 5 Jahre. Eigentlich müsste das bei Anlegern alle Alarmglocken läuten lassen. Doch dem ist nicht so, im Gegenteil.

Es wird faktisch gekauft, was nicht niet- und nagelfest ist. Denn aktuell geht es kaum um Bewertungen, sondern um Einschätzungen der Nachfrage. Und da derzeit Liquidität en masse vorhanden ist, herrscht geradezu Anlagenotstand. Wozu auch beiträgt, dass der Anleihenmarkt gerade für institutionelle Anleger immer mehr als Alternative ausfällt.

Negative Renditen bei Staatsanleihen, insbesondere bei Bundesanleihen, sind längst nicht mehr nur auf die ganz kurzen Laufzeiten beschränkt. Und da externe Risiken beherrschbar erscheinen, besteht auch kein Grund, die sicheren Häfen des Anleihenmarktes unbedingt zu nutzen. Also stürzt sich alles auf Aktien.

 

Bricht die Nachfrage nach Aktien bald ein?

Aber: Auch an dieser Rallye klebt schon ein Verfallsdatum. Denn gerade institutionelle Anleger haben längst ihre Aktiengewichtungen in den Portfolios auf Rekordniveau vergrößert. Sprich: Auf absehbare Zeit wird die nötige Nachfrage abnehmen. Und dann könnte es schnell passieren, dass eine heftige Korrektur die Aktien nach unten drückt.

Unser Fazit für Sie: So lange die aktuelle Rallye läuft, können Sie guten Gewissens mitmachen. Aber Sie sollten sich die geschilderten Mechanismen im Markt vor Augen halten und diese in Ihre persönlichen Dispositionen mit einkalkulieren. Was konkret bedeutet: Ohne Stopp-Loss zur Absicherung gegen größere Gewinneinbußen sollte nichts mehr laufen.

Mit besten Grüßen

Ihr Redaktionsteam „Wirtschaft-Vertraulich“, aus der Redaktion des Deutschen Wirtschaftsbriefs

Bildnachweis: Gevestor

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