Börse in Gefahr: Haushaltsstreit in den USA eskaliert

Amerika wird erneut zum Risiko-Faktor

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“Wirtschaft-vertraulich”:

Als Anleger steht Ihnen eine ganz schwierige Woche bevor. Denn gleich zwei Themen könnten dafür sorgen, dass die Börse ins Schlingern gerät. Sowohl der Haushaltsstreit in den USA als auch die Regierungskrise in Italien haben das Potenzial, das eigentlich gute Umfeld für den Aktienmarkt zu verdüstern.

Dabei halte ich den Streit um das nächste Budget und die Schuldenobergrenze in Amerika für besonders gefährlich. Denn er droht die USA in eine Vertrauens-Krise zu stürzen und das Ansehen auch auf den internationalen Kapitalmärkten zu beschädigen. Worum geht es?

 

Worum es im amerikanischen Haushaltsstreit geht

Demokraten und Republikaner konnten sich bislang nicht auf ein neues Haushaltsgesetz für das am Dienstag beginnende neue Fiskaljahr einigen. Den Republikanern ist nach wie vor die Gesundheitsreform der Regierung Obama ein Dorn im Auge.

Deshalb verknüpfen sie ihre Zustimmung zum Haushaltsentwurf mit der Forderung, die Reform mindestens um ein Jahr zu verschieben. Und selbst das wäre nur ein zeitlich begrenzter Kompromiss, der die Finanzierung des Bundeshaushaltes in den USA nur bis Mitte Dezember sicherstellen würde.

Generell wollen die Republikaner, dass die Gesundheitsreform komplett abgeblasen wird. Durch ihre Mehrheit im Repräsentantenhaus – der zweiten Kammer im US-Congress – können sie ein neues Haushaltsgesetz blockieren und damit Druck auf die Regierung ausüben.

 

Ohne Kompromiss droht Zahlungsstopp

Gibt es keinen Kompromiss, müssen ab Dienstag 800.000 Angestellte von Regierungsbehörden in den unbezahlten Urlaub geschickt und Behörden geschlossen werden.

Außerdem dürfte die Regierung nur noch Pflichtzahlungen – zum Beispiel an Rentner – leisten. Alle anderen Zahlungen (beispielsweise Lieferanten und Dienstleister) müssten eingestellt werden.

 

Schuldenobergrenze ist das nächste Risiko

Die Blockade-Möglichkeit der Republikaner gilt auch für die Schuldenobergrenze, die in wenigen Wochen ebenfalls erreicht wird. Diese liegt aktuell bei rund 16,7 Bio. US-$. Wird sie nicht angehoben, kann der amerikanische Staat keine neuen Schulden aufnehmen. Das könnte dazu führen, dass im Gegenzug Zinszahlungen und Tilgungen für andere Schulden ausfallen. Der Ruf Amerikas als erstklassiger Schuldner wäre dadurch stark beschädigt.

Wie dramatisch die Situation in den USA ist, lässt sich vielleicht an der Tatsache ablesen, dass eine ähnliche Situation zuletzt 1995/96 vorlag. Damals mussten unter Präsident Clinton die Behörden drei Wochen geschlossen werden. Die dafür ebenfalls verantwortlichen Republikaner wurden in den folgenden Congress-Wahlen abgestraft.

Viele Republikaner fürchten sich auch heute vor solch einer Reaktion der Wähler. Doch den Ton in der Partei gibt derzeit die parteiinterne ultra-konservative „Tea Party“-Bewegung an. Und diese ist auf Fundamentalopposition gegen Präsident Obama eingestellt.

 

Reaktion der Börse dürfte negativ ausfallen

Sollte es am heutigen Tag nicht noch eine überraschenden Wendung geben, stehen in Amerika ab morgen faktisch die (staatlichen) Räder still. Das wird die Börse nicht ignorieren können. Vielmehr wären Kursverluste absehbar. Wie stark diese ausfallen, ist schlecht zu prognostizieren.

Doch mein Rat an Sie ist klar: Warten Sie den Fortgang der Geschehnisse erst einmal ab, ehe Sie neue Aktienkäufe vornehmen. Bestehende Positionen sind – wie schon mehrmals empfohlen – abzusichern.

Mit besten Grüßen

Carsten Müller
Chefredakteur: „Wirtschaft-vertraulich“ und „www.liemen.de“

Bildnachweis: Gevestor
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