Anleihenkäufe der EZB: Der Countdown läuft

EZB: Anleihenkäufe dürfen kommen

EZB: Anleihenkäufe dürfen kommen

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“Wirtschaft-vertraulich”:

Liebe Leser,

was für eine Woche! Solch turbulente Tage wie die in der vergangenen Woche haben die Märkte lange schon nicht mehr erlebt. Wobei hier einige Dinge in die richtige Reihenfolge gebracht werden müssen, um zu verstehen, was die Märkte so in Turbulenzen gebracht hat.

Den Auftakt bildete die Stellungnahme des Generalanwalts des Europäischen Gerichtshofs EuGH. Ich hatte Ihnen schon in der vergangenen Woche skizziert, dass es dabei zwar vordergründig um das OMT-Anleihenkauf-Programm der EZB von 2012 ging. Doch natürlich wurde die Stellungnahme auch als Weichenstellung für die nun geplanten Käufe von Staatsanleihen – dem so genannten Quantitave Easing – angesehen. Zumal der EuGH meist der Empfehlung des Generalanwalts folgt.

 

Die EZB darf Staatsanleihen kaufen

Und der Generalanwalt hat geliefert. Zwar machte er einige Einschränkungen, wie ein Staatsanleihen-Kaufprogramm durch die EZB aussehen müsste. Doch grundsätzlich sah er solch Treiben durch das Mandat der Zentralbank weiterhin gedeckt. Was im Markt richtigerweise als Freifahrtschein angesehen wurde, dass die EZB nun ihre aktuellen Pläne auch umsetzt.

Nur einen Tag später dann der Schock. Denn die Schweizer Nationalbank zog die Reißleine und löste die seit drei Jahren bestehende Kopplung des Franken an den Euro auf. Mit dem Ergebnis, dass der Franken in einer ersten Panikreaktion mehr als 40% gegenüber dem Euro aufwertete. Dabei blieb es bis dato und Euro und Franken notieren derzeit rund bei ihrer Parität.

 

Schweizer Notenbank sorgt für Wirbel

Dass die Schweizer Notenbank diesen dramatischen Schritt tat, ist nachzuvollziehen. Denn es wurde immer sinnloser und teurer, bei einem immer schwächer werdenden Euro die bisherige Untergrenze von 1,20 Franken je Euro zu verteidigen. Mit den nun faktisch erlaubten und zu erwartenden Anleihenkäufen der EZB wird der Euro absehbar noch schwächer und da kann die Schweizer Nationalbank nicht mehr gegenhalten.

Also lieber ein Ende mit Schrecken für die Währungsanbindung, auch wenn das nun erhebliche (Buch-)Verluste für die inzwischen angehäuften Devisenreserven der Schweizer bedeutet.

Und die Entscheidung kam wohl keinen Augenblick zu früh. Denn in dieser Woche trifft sich das oberste EZB-Gremium. Und da wird allgemein die offizielle Ankündigung des Anleihenkaufprogramms erwartet. Das ist es letztlich auch, was die Börse in Deutschland derzeit so stark nach oben treibt. Denn das Geld, das mit dem Anleihenkäufen dann in den Markt kommt, wird zu einem signifikanten Teil am Kapitalmarkt landen (und wohl nicht wie gehofft in Unternehmenskrediten).

 

Aktienkäufe: Exportwerte bevorzugen

Mein Fazit: Die Börsenampeln stehen derzeit auf Grün. Käufe sind entsprechend angezeigt, vor allem Exportwerte mit Hinweis auf den schwachen Euro. Allerdings sollten Sie nicht die Schweiz aus dem Blick verlieren. Denn dort wird es wohl eine Rezession geben und es ist noch nicht kalkulierbar, welche Auswirkungen das auf die Nachbarländer hat.

Mit besten Grüßen

Ihr Redaktionsteam „Wirtschaft-Vertraulich“, aus der Redaktion des Deutschen Wirtschaftsbriefs

Bildnachweis: Gevestor

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