Abbruch der Verhandlungen: Kommt jetzt die Griechen-Pleite?

Griechenland auf dem Weg ins Aus

Griechenland auf dem Weg ins Aus

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“Wirtschaft-vertraulich”:

Liebe Leser,

nun ist der Ernstfall da. Als am Freitagabend der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras bekannt gab, dass er die Griechen in einem Referendum abstimmen lassen wolle, ob die Regierung den letzten Einigungsvorschlag der Gläubiger annehmen sollte, öffnete er sprichwörtlich die Büchse der Pandora.

Wir wollen in die Diskussion einsteigen, ob die neuen Forderungen hinsichtlich Spar- und Reformmaßnahmen gerechtfertigt und sinnvoll sind. Letztlich geht es seit dem Wochenende nur noch um die Frage, wie Länder unter einem gemeinsamen Währungsmanagement zusammenarbeiten wollen, wenn sie so komplett andere Herangehensweisen an die aktuellen Probleme haben.

Kurz gesagt: Während die 18 anderen Euro-Mitglieder nur um technokratische Bedingungen verhandeln wollten, hat Griechenland die grundsätzliche Frage nach Regeln und Wirtschaftsverfassung gestellt. Dass hier kein Kompromiss zu finden sein würde, war schon seit Tagen klar. So kam es dann auch.

 

Das Tischtuch zwischen Hellas und seinen Gläubigern ist zerschnitten

Auch wenn am Montag EU-Kommissionspräsident Juncker versuchte, mit neuen Vorschlägen die Diskussion wieder in Gang zu bringen: Das Tischtuch zwischen Griechenland und den Gläubigern scheint vorerst zerschnitten. Damit hat nun auch der Countdown begonnen, an dessen Ende Hellas ganz offiziell pleite ist. Kapitalverkehrskontrollen und Bankenschließung, wie seit heute eingeführt, sind da nur der erste Akt.

Was natürlich die Frage aufwirft, was mit den rund 320 Mrd. Euro passiert, die Griechenland seinen Gläubigern schuldet? Der schlimmste Fall wäre, dass nach dem Ausbleiben der aktuell anstehenden Rate an den IWF über 1,6 Mrd. Euro auch die anderen Gläubiger einen Ausfall erklären und sämtliche Forderungen fällig stellen.

Dann müsste über eine Umschuldung verhandelt werden und das hieße am Ende wohl erneut ein Schuldenschnitt zu akzeptieren. Doch während die Verhandlungen liefen, würde Griechenland womöglich ins Chaos abgleiten. Also ein „Failed State“ mitten in Europa. Und noch einer dazu, dem besonders die Amerikaner eine starke geopolitische Rolle zuweisen. Deshalb hat Washington in den letzten Wochen auch solchen Druck auf die Europäer gemacht, endlich eine Lösung zu finden. Denn im neu erwachten Kalten Krieg mit Russland will man am Mittelmeer keine offene Flanke haben.

 

Krise kann nur politisch gelöst werden

Allerdings haben wir so unsere Zweifel, ob das agierende Personal dazu in der Lage ist. Die Bundeskanzlerin ist seit Tagen faktisch abgetaucht, die osteuropäischen Euro-Länder rebellieren gegen weitere Zugeständnisse an Griechenland und der IWF gibt plötzlich den Hardliner.

Und auf der anderen Seite stehen in Athen Politiker, die noch immer nicht merken, dass sie ihr Blatt deutlich überreizt haben. Getreu dem Motto: Rausschmeißen aus dem Euro können wir uns nur selber. Dass durch diesen fahrlässigen Ansatz aber eine Dynamik entstehen kann, die am Ende eine ganze Volkswirtschaft zusammenbrechen lässt, wird noch nicht wahrgenommen.

 

Anleger können auf baldige Beruhigung hoffen

Immerhin: Für Anleger gibt es einen kleinen Hoffnungsschimmer. Denn es gilt weiterhin das Sprichwort von den politischen Börsen, die kurze Beine haben. Griechenlands Anteil am Euro-BIP ist nach wie vor vernachlässigbar und die Privatwirtschaft – inklusive Banken –ist nur noch in sehr begrenztem Ausmaß in Griechenland involviert. Mit dieser Erkenntnis könnten sich die heutigen Verluste an der Börse schnell wieder relativieren.

Deshalb: Wer aufgrund der von uns immer wieder empfohlenen Stopp-Loss-Kurse rausgeflogen ist, wartet die Marktberuhigung ab. Wer noch drin ist, behält Absicherungen und Halten-Positionen bei.

Mit besten Grüßen

Ihr Redaktionsteam „Wirtschaft-Vertraulich“, aus der Redaktion des Deutschen Wirtschaftsbriefs

Bildnachweis: Gevestor

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