„Das Krisenmanagement ist der Politik entglitten“, schrieb ich im Brief 29

„Das Krisenmanagement ist der Politik entglitten“, schrieb ich im Brief 29

Aktien waren wegen der US-Konjunktursorgen ja bereits angeschlagen. Freitagabend entzog man den USA auch noch die Schuldnerbestnote AAA. Hektische Sondersitzungen und Telefonkonferenzen folgten am Wochenende.

Das konnte den angerichteten Schaden aber nicht mehr eindämmen. 

Nicht nur viele Anleger sind vor der Krise in die Liquidität geflüchtet. Das gilt jetzt auch für Banken. Wegen der prekären Lage in Italien und Spanien haben sie sich von der EZB vorsorglich mehr Geld geliehen.

Zugleich wurden Aktienbestände abgebaut und – solange es noch ging – Kursgewinne realisiert. 

Der Unsicherheit ist bei zahlreichen Investoren beinahe Panik gefolgt. Das ist durchaus nicht ungewollt.Barroso hat mit seinem Brief Ängste geschürt, um damit Druck auf Angela Merkel und andere auszuüben.

Auch beim Schulden-Deal in Washington wurden die Parlamentarier regelrecht unter Zugzwang gesetzt: 

Komme keine Einigung zustande, würden die Folgen sogar die Krise von 2008/2009 in den Schatten stellen. Doch die Angst ist auch nach der Übereinkunft geblieben und hat zum aktuellen Desaster beigetragen.

Kein Mensch interessiert sich derzeit noch dafür, dass die Weltwirtschaft auch nächstes Jahr wachsen wird. Auch wenn die Gewinne der Unternehmen zurückgehen, dürften die meisten noch schwarze Zahlen schreiben. In der Konjunktur geht es ständig auf und ab. Die Massenflucht aus Aktien scheint mir deshalb übertrieben.

Aber auch mit Angst lässt sich an den Börsen gut verdienen – indem Investoren auf fallende Kurse wetten.

Andere reiben sich dann die Hände und kaufen zu Unrecht abgestrafte Aktien günstig ein.

Als Privatinvestoren sind Sie der Marktkraft des Herdentriebs weitgehend schutzlos ausgeliefert. Indes: Wer versäumt hat, seine Kursgewinne rechtzeitig zu realisieren, braucht deswegen nicht zu verzweifeln.

Die Aktienkurse erfolgreicher Unternehmen werden sich garantiert wieder erholen. Die Frage ist nur, wann. 

Das wird stark davon abhängen, welches Szenario nach Ansicht der Börsianer das wahrscheinlichste ist. Im Blickpunkt stehen hier ganz klar die USA. Durch deren Herabstufung könnten die Zinsen steigen. Sollte es dadurch tatsächlich zum Rückfall in die Rezession kommen, stünden die Aussichten schlecht.

Dann wäre nicht auszuschließen, dass Aktien eine Durststrecke vor sich haben. 

Derzeit haben die Pessimisten an den Märkten das Ruder übernommen. Das wichtigste Indiz dafür: Seit dem Frühjahr 2009 wurden Kursrückgänge als Zukaufgelegenheiten genutzt. Damit ist es jetzt vorbei. Wenn bestehende Aktienbestände bei künftigen Kurserholungen eilig verkauft werden, droht eine Baisse.

Noch besteht aber die Chance, dass es nach der heftigen Konsolidierung wieder aufwärts geht. 

(Der Deutsche Wirtschaftsbrief 33/2011)

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