Europas Politiker dürfen die Europäische Zentralbank nicht überfordern

Europas Politiker dürfen die Europäische Zentralbank nicht überfordern

Bei Staatsanleihen hat die EZB aktuell schon einiges an Risiken aufgebaut. So sind 291 Mrd. € in die Papiere überschuldeter Euro-Länder investiert worden. Mit Aufkäufen in Höhe von 50 Mrd. € hat die EZB Griechenland unterstützt. Am dortigen Schuldenschnitt wird sie sich aber nicht beteiligen.

Immerhin scheint es ihr gelungen zu sein, das europäische Finanzsystem vor dem Zusammenbruch zu retten. Den Banken hat sie so viel Liquidität zur Verfügung gestellt, dass ein Kollaps unwahrscheinlich geworden ist. Kleine und mittelgroße Geldhäuser der schwachen Euro-Staaten konnten davon allerdings kaum profitieren.

Es fehlen geeignete Sicherheiten, um bei den EZB-Refinanzierungsgeschäften mitbieten zu können.

Die EZB hat sich deshalb bereit erklärt, nicht mehr nur Wertpapiere zu beleihen, sondern auch Bankkredite. Welche Darlehen dafür in Frage kommen, legen die jeweiligen nationalen Zentralbanken in Eigenregie fest. Der neue Sicherheitenrahmen baut damit auf deren Seriosität und Unabhängigkeit auf. Die Gefahr dabei: Die EZB muss darauf vertrauen, dass bei zugelassenen Krediten keine nationalen Interessen überwiegen.

Sonst würde die Glaubwürdigkeit des Euro-Systems demnächst darunter leiden. 

Nicht nur Europa flutet seine Finanzmärkte mit Liquidität – das geschieht auch in den USA und Japan. Die Notenbanken nehmen dabei in Kauf, dass Währungsabwertungen die Kaufkraft beeinträchtigen könnten. Inflation, so wird beteuert, sei aber kein Thema, denn das Geld fließe ja nicht in die Realwirtschaft.

Die Auswirkungen der Liquiditätsflut bekommen Unternehmen und Verbraucher jedoch bereits zu spüren.

So sind die hohen Öl- und Energiekosten kaum auf den zurückliegenden Wintereinbruch zurückzuführen. Vielmehr haben die Preise ein Niveau erreicht, das durch Angebot und Nachfrage nicht mehr gerechtfertigt ist. Mit dem Geld, das an den Finanzmärkten zur Verfügung steht, wird auf weiter steigende Preise spekuliert. Hohe Ölpreise an den Börsen gibt der Handel weiter. Der Iran-Konflikt kommt verschärfend hinzu.

Setzt sich diese Spirale fort, kann das zu einer Belastung für die globalen Wachstumsaussichten werden. 

Das wiederum erhöht die Gefahr, dass die zuletzt positive Stimmung der Anleger wieder umschlägt. Erinnern Sie sich: Gerade mal fünf Monate ist es her, als sie auf ein absolutes Panikniveau gesunken war. Die Risikoaversion könnte schlagartig steigen, wenn Konjunktursorgen erneut in den Vordergrund treten. Nicht zu vergessen, dass es Europa noch lange nicht gelungen ist, die grundlegenden Probleme zu lösen.

Bankaktien und zyklische Werte wären dann besonders rückschlagsgefährdet.

(Der Deutsche Wirtschaftsbrief 08/2012).

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