Neuer Markt – Neuauflage ist keine gute Idee

Neuauflage des Neuen Marktes - Nein, danke

Da habe auch ich nicht schlecht gestaunt: Ginge es nach Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler von der FDP, könnte der „Neue Markt“ wieder ins Leben zurückgerufen werden.

Das halte ich für Wahlkampf-Geschwätz. Denn diese Art von speziellem Börsensegment dürfte zumindest in Deutschland dauerhaft als „verbrannt“ gelten.

Hinzu kommt, dass der Wirtschaftsminister von vollkommen falschen Voraussetzungen ausgeht. Denn es gilt:

 

Deutsche Anleger denken zu konservativ für einen „Neuen Markt“

Der deutsche Aktienmarkt verträgt keine weitere Zersplitterung. Die gezielte Anlage in Aktien steht bei den Deutschen schon seit vielen Jahren nicht mehr hoch im Kurs.

Das hat auch was mit dem Fiasko rund um den „Neuen Markt“ zu tun. Aber es entspricht im Wesentlichen auch der sehr konservativen Mentalität der meisten deutschen Sparer und Anleger.

Ein Marktsegment für zwar aussichtsreiche, aber hochriskante junge Firmen würde so wieder nur die Zocker anlocken.

Gleichzeitig würden Handels-Umsätze aus anderen Börsensegmenten abgezogen werden und die dortige Liquidität verringern.

 

Deutschland hat keine Investment-Kultur für Wagnis-Kapital

Deutschland ist kein Land für Wagniskapital. In den USA ist die Anschub-Finanzierung von jungen Firmen und Geschäftsideen – eben das genannte Wagnis-Kapital – ein üblicher Bestandteil des dortigen Kapitalmarktes.

Diese Tradition und auch das dafür nötige Verständnis für die Entwicklungsstadien eines jungen Unternehmens gibt es so ausgeprägt nicht in Deutschland. Hier ist das Investieren in junge Firmen immer noch eine Nische und wird es wohl auch bleiben.

Der „Neue Markt“ wollte diese Probleme lösen und ist letztlich daran gescheitert. Dabei hat die Börse selbst einen Grund für das Scheitern zu verantworten. Ein weiterer Grund ging auf das Konto der Marktteilnehmer.

 

Ein Grund des Scheitern: Zu laxe Zulassungsvorschriften

Die Börse hatte zu verantworten, dass sie die Zulassungsvoraussetzungen für eine Börsennotierung am „Neuen Markt“ zu weit absenkte.

Das Ergebnis: Neben ernsthaften Firmen tummelten sich am „Neuen Markt“ auch viele, deren Geschäftsmodell nicht einmal das Papier wert war, auf dem es meist im Schnellschuss aufgeschrieben wurde.

 

Ein weiterer Grund: Die Gier der Anleger

Auf der Gegenseite waren viele Anleger bereit, ohne größeres Hinterfragen der Geschäftsaussichten der Firmen deren Aktien zu kaufen.

Dabei wurden am „Neuen Markt“ immer höhere Phantasiepreise für ein angeblich rasantes Gewinnwachstum in der Zukunft gezahlt.

Die Folge war letztlich eine riesengroße Bewertungs-Blase, die dann nach 2000 mit lautem Knall platzte.

Wer nicht vorher Kasse gemacht hatte, büßte schnell seine Buch-Gewinne – also die auf dem Papier – ein oder verlor sogar in Windeseile sein eingesetztes Kapital.

Davon erholte sich der „Neue Markt“ nie wieder und wurde entsprechend 2003 geschlossen.

 

Neuer Markt – Neuauflage ist keine gute Idee

Eine Neu-Auflage des „Neuen Marktes“ würde diese Risiken nicht umgehen können. Damit wäre ein erneutes Scheitern dieses Marktes geradezu vorprogrammiert.

Denn wer in so junge Unternehmen investiert, setzt nur auf das Prinzip Hoffnung. Hoffnung darauf, dass die Geschäftsidee funktioniert und später Gewinne abwirft. Doch das kann kein Betätigungsfeld für Kleinanleger sein.

Es ist wichtig, dass es erfahrene Anleger gibt, die an den Erfolg junger Firmen glauben. Doch das kann nur sehr begrenzt der Gegenstand eines ganzen Börsensegments sein. Denn dann würden vor allem die Zocker agieren.

Besser wäre es, wenn die Regierung ein attraktives Umfeld aus steuerlichen und rechtlichen Vorschriften verfasst, damit grundsätzlich das Investieren von Wagnis-Kapital im Rahmen von Unternehmensbeteiligungen attraktiv ist.

Mit besten Grüßen

Carsten Müller
Chefredakteur: „Wirtschaft-vertraulich“ und „www.liemen.de“

Bildnachweis: Gevestor
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