Neue Grundsteuerreform könnte zum bösen Erwachen werden

© PANORAMO.de / Fotolia.com

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Noch brütet das politische Berlin über einer Grundsteuerreform in Deutschland, die es in sich haben dürfte. Die bisherige Grundsteuer ist schon ärgerlich genug, zahlen Sie als Immobilieneigentümer doch Jahr für Jahr hohe Steuern an Kommunen, ohne dass der Grund klar ist. Ginge es nach den alten Griechen, dann würde Steuer nur nach Leistungsfähigkeit erhoben. Dies ist auch der Grundsatz in Deutschland. Warum Grundstücke beziehungsweise Immobilien Jahr für Jahr die „Leistungsfähigkeit“ dokumentieren, ist schleierhaft. Jetzt aber könnte es für einige von uns teuer werden.

Keine alten Wertansätze mehr

Bislang verwendet der Staat bei der Berechnung der Grundsteuer Wertansätze aus den 60er Jahren. Im Osten der Republik sind die Wertansätze sogar in den 30er Jahren festgelegt worden, damals noch unter nationalsozialistischer Obhut. Diese Werte werden dann mit einem Grundsteuermesssatz multipliziert, den die Kommunen vor Ort festlegen.

Das Ganze wird zusätzlich mit einem ebenfalls örtlich festgelegten Hebesatz multipliziert, fertig ist die Grundsteuerschuld. Jetzt will der Bundesrat Gesetzentwürfe aus Hessen und Niedersachsen verabschieden, die Neubewertungen der Grundstücke zufolge hat.

Am Freitag geht der Entwurf in den Bundesrat, danach könnte durch die politischen Mühlen und spätestens 2022 gelten. Die Länder behaupten noch immer, dass es am Ende für die Gesamtheit nicht teurer wird. Das ist natürlich ein politischer Trick.

Die Bewertung wird wahrscheinlich so ausfallen, dass wertlosere Grundstücke, die in deutlich weniger attraktiven Gebieten liegen, auch weniger belastet werden. Dafür werden die Kommunen in vermögenderen Gegenden mutmaßlich noch stärker kassieren können. Unter dem Strich aber wird sich eine deutliche Verschiebung ergeben.

Flucht auf das Land?

Stellen Sie sich vor, die Steuern in den Metropolen klettern weiter. Das würde die Immobilienbewirtschaftung verteuern, die Mieten würden ebenfalls steigen. Schnell könnten sich einige Bevölkerungsgruppen die Mieten in den Ballungsgebieten endgültig nicht mehr leisten, auch Immobilienkäufe würden weniger erschwinglich.

Schon jetzt wird bekannt, dass die frühere Landflucht sich langsam umkehren könnte. Die Menschen ziehen wieder aufs Land. Bei steigenden Steuern und Kosten könnte sich der Trend verstärken. Wer heute in Immobilien in den Metropolen investiert, könnte am Ende sogar als der große Verlierer dastehen.

Wer auf dem Land baut und die richtigen Kommunen beziehungsweise Regionen wählt, würde dementsprechend überraschend gewinnen können. Deshalb ist die neue Steuerreform viel bedeutender, als es die Politik darstellen möchte.

Wir werden die Auswirkungen genau verfolgen und in unseren Redaktionen die Entwicklung einzelner Regionen für Neubauten, für Immobilienkäufer und Vermieter beschreiben. Sollten Sie schon jetzt kaufen oder bauen wollen, bedenken Sie bei Ihren Kalkulationen: Die Grundsteuer steigt.

 

 

Mit den besten Grüßen

Ihr

Redaktionsteam „Wirtschaft-Vertraulich“

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